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Donnerstag, 28. Januar 2010

Aufholen

Ich bin schon bald wieder urlaubsreif, so lange sind die Koffer inzwischen ausgepackt. Gerade dreht sich alles um Schulwahl (nach den Sommerferien geht Yair ja in die Vorschule, die sich hier idiotischerweise Kindergarten nennt -- zur Zeit geht er in den Kindergarten, der hier aber preschool heisst...). Nachdem wir uns am Dienstag noch eine andere Privatschule angesehen haben, meinte meine zweite Hälfte: "Meine Bereitschaft, für die andere Schule zu zahlen, hat sich gerade um ein paar hundert Dollar erhöht." Soll heissen: Wir haben die Schule unserer Wahl gefunden und jetzt auch an den Kosten nichts mehr auszusetzen. An den öffentlichen Schulen findet Kindergarten nur 3 1/2 Stunden am Tag statt, danach müssten wir Yair dann ein sechsstündiges "after-care" Programm zum Zeitvertreib finden. Etwas idiotisch, das Verhältnis. Also lieber die Privatschule von 8:25 bis 2:30 und dann in den schuleigenen Hort.

Yair macht gerade einen Schwimmkurs mit und startet im März wieder voll durch mit Fussball. Für den Sommer habe ich ihn heute beim Camp Kee Tov angemeldet, in das auch seine Freunde gehen werden. Damit haben wir nur Ende Juli eine Woche Notprogramm ohne Kinderbetreuung.

Yonatan regiert bald den Haushalt. Ein richtiger kleiner Schlawiener mit einer Menge Selbstbewusstsein und einem grossartigen Sinn für Humor. Mit dem Sprechen lässt er sich Zeit (ja ja, das kann auch an der Zwei-(Drei-?)Sprachigkeit liegen (muss aber nicht)), macht sich aber auch so für alle verständlich, kreischt was das Zeug hält, wenn es denn sein muss, und lacht sich manchmal schlapp, ohne dass man genau weiss, warum. Er versteht alles und will manchmal zu viel. Er isst nach wie vor wie ein Scheunendrescher, meiner Meinung mehr als Yair an schlechten Tagen. Seit neuestem verschlingt er in Windeseile Cheerios mit Milch zum Frühstück. Machmal komme ich mit dem Einkaufen gar nicht nach.

Bei der Arbeit dampft es zur Zeit, aber morgen dürfte sich die Luft wieder abkühlen, dann haben wir diese Version auch geschafft. Ich arbeite praktisch rund um die Uhr, schaufel mir aber auch Zeit für wichtigere Dinge frei. Für den Elternsprechtag morgen zum Beispiel. Wir sind um 8:30 Uhr dran, danach bleibt Shai mit Yair zu Hause, denn ich muss unbedingt im Büro die letzten Fäden verknüpfen. Morgen falle ich dann wahrscheinlich um 21 Uhr ins Bett. Nach mir die Sintflut.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Arbeitsfrust

Gestern ist meine liebste Kollegin entlassen worden, mit noch einigen anderen im Büro. So nah ist der Kelch noch nie an mir vorüber gegangen. Jetzt ist die Stimmung im Team auf dem Nullpunkt. Seit ich hier Ende Januar 2007 angefangen bin, ist das das dritte Mal, dass es uns technischen Redakteuren an den Kragen geht. Und diesmal hat es echt reingehauen. Ohne L. macht uns das hier so gar keinen richtigen Spass. Sie hat so einen frischen Wind reingebracht mit ihrer grossen Klappe. Morgens haben wir uns zusammen Kaffee geholt und ein bisschen geklönt. Und bei jeder Frage stand sie parat. Noch dazu sind wir praktisch in der gleichen Woche eingestellt worden. Und wenn man jetzt noch bedenkt, dass:
  • Unsere ewige Praktikantin ab Januar nicht mehr hier sein wird
  • Unsere stille Teamgöttin im Januar in Mutterschutz geht
dann weiss man wirklich nicht, wie wir das gleiche Pensum mit soviel weniger Arbeitskraft beibehalten können. Wir sollen uns nicht umbringen, so die Worte meiner Chefin. Klar, davon würde ja keiner profitieren. Aber ob alles schlicht durch neue Prioritäten gelöst werden kann, ist doch sehr fraglich. Heute Nacht habe ich jedenfalls mehrmals und lange wachgelegen, weil ich die neue Situation einfach nicht fassen kann. Ich bin echt deprimiert.

Dienstag, 18. August 2009

Schön blöd

Das passiert, wenn man zwischendurch auch mal von zu Hause aus arbeitet: Da verlasse ich heute morgen pünktlich das Haus, fahre kurz vor 8 in die Tiefgarage unter unserem Bürogebäude, parke den Wagen, öffne die Tür, will mir gerade Handtasche und Mittagessen schnappen -- und erstarre mitten der Bewegung... Meine Laptoptasche steht noch immer in der Küche. Also zurück gefahren und wieder daheim gearbeitet.

Das ganze ist nur halb so peinlich, wenn Kolleginnen dann zugeben, das sei ihnen auch schon widerfahren.

Freitag, 26. Juni 2009

Wenn ich versuche...

meinen Mittagsjoghurt mit dem Kugelschreiber zu essen, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass mein müder Kopf zu sehr bei der Arbeit ist... Aber ist ja Gott sei Dank Freitag.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Erleichtert

Die Behörden brauchen für die Genehmigung meines H-1B Visums nur noch ein weiteres Formular von meinem Arbeitgeber. Und ich hatte schon befürchtet, ich müsste mich jetzt um transcripts der Uni bemühen... Das wäre ein Spiessrutenlaufen geworden, denn ausser dem deutschen Student weiss ja niemand, welche Kurse jemand belegt hat. Dafür muss man sein Studienbuch fein säuberlich führen und aufbewahren. Habt ihr's rumpeln hören, als mir der Stein vom Herzen gefallen ist?

Mein Göttergatte hingegen hatte schon angefangen, den Firmenanwalt als unfähig zu denunzieren, und lief tagein, tagaus mit miesepetrigem Gesicht herum (nur Seattle und das Wiedersehen mit seinen Eltern konnten die Sorgen für einige Tage vertreiben). Jetzt herrscht wieder eitel Sonnenschein. Und das Kinderbettchen ist auch tiefergelegt, nachdem wir gestern neben Yonatans Bett stehenbleiben mussten, bis er endlich eingeschlafen war (und das dauuuuerte, da er vor Begeisterung über seine neuen Fähigkeiten einfach nicht zur Ruhe kommen konnte).

Montag, 18. Mai 2009

Was für ein Wochenende!

Ich weiss ja gar nicht, wo ich anfangen soll...
  • Schwiegereltern sind so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. Netterweise treffen wir sie nächstes Wochenende nochmal -- in Seattle!
  • Mein Mann ist kein Student mehr! Gestern war die offizielle Commencement Ceremony/Graduation, bei sengender Hitze (ich übertreibe nicht) in Berkeleys Griechischem Theater. Uns floss alles weg, und irgendwann habe ich mir nur noch die Kinder geschnappt und bin in den Schatten geflüchtet. Dass man die Geschehnisse von dort aus weder sehen noch hören konnte, war zwar schade, aber nicht zu ändern. Der anschliessende Empfang auf dem Campus hat uns ein wenig entschädigt, noch mehr das Restaurant am Abend. Und jetzt ist es vorbei. Ich bin irgendwie fassungslos.
  • Zahn 5 und 6 sind durch! Diesmal hat der kleinste Mann sich doch ein wenig gequält, und ganz vorbei ist es noch nicht. Ständig braucht er etwas zum Beissen, und meine Schulter hat's ihm besonders angetan (aber damit kann ich leben, solange er andere Körperteile sachte behandelt).
  • Seinen Po kann Yonatan inzwischen auch vom Boden erheben. Lange kann es nicht mehr dauern, bis er klassisch krabbelt. Auf dem Bauch robbt es sich aber auch gut. Inzwischen lässt er sich auch gerne anfeuern. Als ich ihn heute gerufen und die Arme nach ihm ausgestreckt habe, ist er doch tatsächlich zu mir gekommen. Ich war begeistert. Er scheint schon einiges zu verstehen und schüttelt manchmal wehement den Kopf (zu süß!).
  • Die amerikanischen Behörden scheinen sich die Sache mit meinem Visum noch überlegen zu müssen. Jetzt benötigen sie zusäztliche Papiere, was hier natürlich gleich für helle Aufregung gesorgt hat (ICH bin ruhig geblieben, wohlgemerkt!), zumal noch nicht raus ist, worum es geht, weil ich zwar per email informiert worden bin, die Details aber auf dem Postweg an den Firmenanwalt gehen. Zzzzzzz.
  • Und jetzt bin ich müde und will ins Bett, muss aber noch einen riesen Berg Wäsche auffalten...

Dienstag, 5. Mai 2009

Ausgelastet

Meine Theorie hat sich wieder mal bestätigt: Veränderungen bringen meistens etwas Gutes mit sich (manchmal braucht es nur einer veränderten Perspektive). So auch die Entlassungen der letzten Woche. Kollegin C., die schon lange unter dem miesen Verhältnis zu unserer Chefin litt, geniesst dank eines grosszügigen Abfindungspaketes jetzt ihre freien Tage, und ich freue mich im Büro über neue Verantwortlichkeiten.

Dienstag, 28. April 2009

Entlassungen

jetzt also auch in unserer Firma, wieder einmal. 5% unserer Gruppe (etwa 25 bis 30 Leute) müssen gehen -- darunter eine Kollegin aus meinem Team, die aber schon länger Probleme mit unserer Chefin hatte, und wirklich langjährige Mitarbeiter, die über acht Jahre in der Firma beschäftigt waren. Hart, sowas. Das geht an die Substanz.

Donnerstag, 23. April 2009

Gedächtnis wie ein Sieb

Erschreckend, wie weit es schon mit mir gekommen ist. Da schickt meine Chefin eine Einladung zum Mittagessen, um den Geburtstag einer Kollegin vorgestern gebührend zu begehen. Besagte Kollegin sitzt neben mir, also drehe ich mich um und sage: „Hey, Haley, du hattest Geburtstag und hast nichts verlauten lassen?!“ Sie: „Was? Aber du hast mir doch gratuliert!“ Ich: „Haaabe ich...?“ Ganz wage kommt plötzlich die Erinnerung zurück. „Stimmt...! Du hattest dieses nette Kleid an und sahst ganz festlich aus, und du wolltest abends mit ein paar Freunden feiern gehen!“ Und ich dachte, meine Vergesslichkeit sei Hormon-bedingt. 8 Monate nach der Geburt kann ich das aber wohl vergessen, oder?

Freitag, 10. April 2009

Seeräuber-Gedanken

Wenn ich “Pirat” höre, fallen mir zwei Geschichten ein: Pipi Langstrumpf und Peter Pan. Piraten sind Teil einer Märchenwelt, die Kinder wie unseren kleinen Mann begeistert. Deshalb hat er sich gestern auch über das Heftchen mit Piratenaufklebern gefreut, das er sich beim Afikoman-Suchen verdient hat.

Wenn ich dann in den Medien lese, dass Piraten im Golf von Ahden gegen US Kriegsschiffe kämpfen, mutet das an, als ob Märchenfiguren plötzlich ins wirkliche Leben treten. Wie? Die gibt es tatsächlich? Immer noch? Und wenn man dann ein bisschen genauer hinschaut, wird man gewahr, dass sie ihr Unwesen gar nicht so sehr im Verborgenen und auch gar nicht so selten treiben.

Da ich fleissig Software dokumentiere, die die Abläufe an Container-Häfen automatisiert und optimiert, berühren mich solche Berichte auf besondere Weise, legen „unsere“ Schiffe doch weite Strecken mit schwerer Last zurück, zum Beispiel von Melbourne nach Sydney nach Auckland nach Suva nach Tauranga nach Honolulu nach Seattle nach Vancouver nach Oakland nach Los Angeles und wieder nach Auckland. Wer weiss, vielleicht wurde die „Maersk Alabama“, deren Besatzung die Seeräuber heldenhaft in die Flucht schlagen konnte (ohne leider den Kapitän zu retten), von Personal beladen, das mit unserer Software arbeitet. So nah dran...

Mittwoch, 30. Januar 2008

Glückskind?

Ich melde mich endlich zurück. Die letzten Wochen waren einfach zu unstrukturiert, als dass ich etwas hätte schreiben können. Deutschland, Israel, dann plötzlich ein Jobangebot, Rückflug nach San Francisco, eine Woche Eingewöhnung und Zurück-in-den-Alltag finden -- und seit Montag gehöre ich wieder zum arbeitenden Volk. Festanstellung als technische Redakteurin bei einer Firma in Oakland, nur 15 Autominuten entfernt. Ich arbeite von 7 bis 15 Uhr und habe ein Laptop, so dass ich bequem von zu Hause aus vor- oder nacharbeiten kann, falls ich doch mal früher gehen muss oder später komme. Da fühle ich mich gleich wieder als Glückskind. Nur gut, dass ich im November den Job in Mountain View nicht angenommen habe! Es wendet sich eben doch immer alles zum Guten. Meistens muss man nur abwarten. (Von den 10 mickrigen Urlaubstagen erzähle ich lieber nicht.)

Nicht, dass es mir leicht fällt, jeden Morgen vor sechs aufzustehen. Heute hat zu allem Übel mein Wecker versagt und ich musste in Windeseile ausgehfertig sein. Ausserdem raucht mir der Kopf, weil es, wie immer in einem neuen Job, so viel zu lernen gibt.

Yair bleibt ohne zu Murren länger im Kindergarten, bis 15:30 Uhr. Dort schläft er Mittags wenigstens wieder, und davon konnte ja in den letzten Monaten keine Rede sein.

Shai hängt wieder gänzlich im Semester und hat kaum Zeit zum Schlafen oder Essen. Apropos, da ich jetzt weniger Zeit habe, aber trotzdem regelmässig Kochen muss, kommt natürlich der tolle Schnellkochtopf genau passend (Danke nochmal!). Inzwischen habe ich mir schon Rezepte besorgt und mich durch alle nötigen Kapitel gelesen. Spätestens am Wochenende wird er eingeweiht. Ein bisschen Respekt habe ich ja vor dem Ding noch, aber das wird sich sicher legen.

So wurschteln wir uns also durch die Tage, die übrigens in letzter Zeit äusserst verregnet sind. Nur heute hat aus Versehen die Sonne geschienen, aber eiskalt war es trotzdem.

Donnerstag, 15. November 2007

Echtes und Imaginäres

Heimarbeit ein- bis zweimal die Woche ist nicht erwünscht, also habe ich wohl den ersten Job sausen lassen, falls sie nicht noch einlenken. Alles geht eben nicht, man muss in vernünftigen Proportionen denken. Täglich drei bis vier Stunden auf der Strasse, da gehe ich irgendwann vor die Hunde. Ich habe aber noch zwei andere heisse Eisen im Feuer. Hoffentlich klappt da was. Diesmal mache ich meinen Mund lieber nicht zu weit auf.

Ansonsten läuft alles prima. Yair vergnügt sich mit seinen imaginären Freunden Meschek, Kakas und Yaram. Er kann stundenlang Selbstgespräche führen, in seinem Zimmer oder in der Badewanne. "Warum weinst du? Was? Hör schon auf zu weinen! Mama kommt gleich." In diesem Ton. Zum Schreien.

Heute Abend hat allerdings er geschrieen. Da ging aus unerfindlichen Gründen in regelmässigen Intervallen der Rauchmelder los. Beim ersten Mal kam der kleine Mann brüllend angerannt. Danach klammerte er sich an mich und hielt sich erschrocken die Ohren zu. An Schlaf nicht zu denken. Ein Anruf bei der Verwaltung, und innerhalb einer Stunde rückte ein bebrillter Mann mit Leiter an, begutachtete die Rauchmelder, schaltete eine Sicherung aus ("Manchmal kann das helfen. Ooops, jetzt habe ich ihren Computer auch ausgemacht..."), schraubte die Dinger dann ab und warf sie in den nächsten Müll. Morgen werden neue angebracht. "Wenn es ihnen nichts ausmacht, eine Nacht ohne Rauchmelder auszukommen. Sie haben ja noch den echten Feueralarm, machen sie sich also keine Sorgen." Im Gegenteil -- jetzt können wir wenigstens in Ruhe schlafen. Gute Nacht!

Freitag, 9. November 2007

Wenn du es am wenigsten erwartest...

klingelt das Telefon. Du antwortest unwirsch, denn du kannst einfach nicht noch einen dieser Werbeanrufe ertragen, die Mittags um diese Zeit eintrudeln. Spende für Feuerwehrleute. Hilf im Kampf um Drogen. Halte unsere Kinder von der Strasse fern. Und genau dann ist die Vorgesetzte der Firma dran, bei der du dich vorgestellt hast, so freundlich, scheinbar lächelnd, denn stell dir vor! Sie mag dich wirklich und möchte, dass du ihrem Team beitrittst, da sind vorher nur noch ein paar kleine Dinge zu klären. Wie die Entfernung. Kann ich mir vorstellen, jeden Tag 75 km zu fahren? Heimarbeit etwa zwei Mal die Woche? So so. Nicht gerade üblich in der Firma. Die Leute kommen jeden Tag ins Büro. Schwer, jemanden aus der Distanz zu managen. Aber weisst du was? "Lass mich eine Weile darüber nachdenken." Als wir auflegen, stelle ich fest, dass ich nicht erwähnt habe, dass ich auch Stunden reduzieren möchte. Über wie viele Stunden sprechen wir eigentlich? 40? Wie sieht es mit 30 aus? 32? OK, nicht mehr als 34. Als ich sie zurück rufe, grüsst mich nur der Anrufbeantworter. Niemand zu Hause. Ist sie ins Wochenende entfleucht? Ich hinterlasse ihr eine Nachricht, bitte um einen Rückruf. Und jetzt warte ich... Sollte ich diese Gelegenheit verstreichen lassen? Oder sie mit beiden Händen beim Schopfe packen und sehen, was draus wird?

Was habe ich gestern geschrieben? Ich wollte nur angenommen werden? Hm. Ich bin angenommen worden!!! Und vielen Dank für die aufmunterden Kommentare in der Zwischenzeit! Ich schätze das sehr!

Donnerstag, 8. November 2007

Bergab

Habe ich erwähnt, dass die Vorstellungsgespräche am Montag super gelaufen sind? Jedenfalls wenn man bedenkt, dass es meine ersten auf amerikanischem Boden waren. Aber damit hat sich's auch. Seither kein Anruf. Kein e-mail. Und glaubt mir, ich habe wirklich schöne Dankesbriefe geschrieben. Vielleicht nicht streng nach Etikette, aber individuell.

Ich könnte mir einreden, dass mich das nicht weiter juckt. Denn immerhin bin ich eigentlich davon überzeugt, dass alles seinen Grund hat, und meistes einen guten. Wenn sie sich entschlossen haben, mich nicht einzustellen, dann muss ich meinen Alltag wenigstens nicht mit zweistündigen Fahrten in jede Richtung belasten. Das macht das Leben so viel einfacher.

Aber die Wahrheit ist: Es juckt mich. Nicht weil ich mich unbedingt auf den Weg machen wollte, sondern weil ich angenommen werden wollte. Denn jetzt muss ich nochmal von vorne beginnen. Anzeigen lesen, Anschreiben aufsetzen, den einstellenden Vorgesetzten ausfindig machen, verfolgen, ob Firma X meine Bewerbung bekommen hat und wann mit einer Antwort zu rechnen ist. Wieder und Wieder. Wer hat dafür Energie?

Für den Moment halte ich mich also an Bücher (habe gerade The Kite Runner ausgelesen und bin endlich! mit dem letzten Harry Potter angefangen) und den Haushalt. Und an den süssesten kleinen Jungen der Welt. Keine Ambitionen. Ich brauche ein paar Tage, um mich aufzuraffen und mich aus dem Loch zu ziehen. Aber dann werde ich diese Jobsache angehen. Vielleicht muss ich wirklich einfach nur die Zeile einer Freundin an potentielle Arbeitgeber weiterleiten, für den Zweifelsfall: "Es ist Jeanne, stellt sie einfach zu ihren Bedingungen ein :-)."

Sonntag, 4. November 2007

Jobaussichten

Seit Halloween ist es ruhig geworden um uns. Das hat aber erfreuliche Gründe: Ich bereite mich auf eine Runde Vorstellungsgespräche am Montag vor, bei einer Firma in Sunnyvale. Das ist zwar weit, aber warten wir mal ab, was daraus wird. Ich bin jedenfalls ganz aufgeregt, also drückt mir die Daumen!

Ach, und was die Halloween-Bilder anbelangt – die habe ich mir selber noch nicht angeschaut. Aber nach Montag werde ich das nachholen und sie hochladen. Oh ohhh, spaghettios... Yairs neuester Ausdruck, den er seiner Kindergärtnerin abgelauscht hat. Er plappert übrigens viel neues Zeug auf Englisch daher. "Trashy town" (eine Geschichte, die sie jeden Tag lesen), "put the toys away" (Teil eines Liedes, das sie singen, wenn es ans Aufräumen geht), "one, two, three, four, five," und "Mr. Donkey" (das muss auch aus einer Geschichte sein, aber ich bin nicht sicher).

Sonntag, 28. Oktober 2007

Networking

Jetzt stecke ich mitten drin in der Jobsuche. Visitenkarten entwerfen und drucken, Portfolio anlegen, Lebenslauf polieren, Anschreiben formulieren. Aber das eigentliche Zauberwort hier heisst Networking. Nur 20% aller offenen Stellen werden auch ausgeschrieben, deshalb sollte man mit möglichst vielen Leuten in Kontakt kommen.

Heute zum Beispiel waren wir zum Kindergeburtstag eingeladen. Eine der Mütter, die ich schon aus dem Kindergarten kenne, mit der ich aber noch nie wirklich gesprochen habe, hat schon vor Jahren ihren MBA in Harvard gemacht (sie ist gut über 40 und hat zwei Adoptivkinder) und arbeitet seit langem in San Francisco bei einer Consulting-Firma, die auch Aufträge an Technische Redakteure vergibt. So einfach. Jetzt muss ich nur über ihre Webseite mein Profil erstellen und mich dann bei ihr melden. Sie ist Senior Vice President und General Manager. Vielleicht wird ja was draus...

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Sie ist da

die Arbeitserlaubnis! Ich kann es noch gar nicht fassen. Drei bis fünf Monate sollte es nach offiziellen Angaben dauern. Dass es oftmals schneller geht, habe ich gehört. Aber vier Wochen scheinen mir eine Rekordzeit zu sein! Ganz unschuldig lag sie heute in einem unauffälligen weissen Umschlag im Postfach.

Vielleicht liegt es daran, dass ich dem Antrag die Sozialversicherungsnummer zufügen konnte, die ich 1997 durch mein Semester an der ISU bekommen habe. Trotzdem bin ich noch immer ganz von den Socken. Jetzt habe ich also keine Entschuldigung mehr, tatenlos rumzusitzen... Aber ich habe ja auch schon acht Bewerbungen rausgeschickt, und über den Vater eines Kindes, das in Yairs Kindergarten geht, habe ich Kontakt zu einem hiesigen, etablierten Technischen Redakteur aufgenommen, der bereit ist, mir bei der Vermittlung zu helfen. Sieht also doch nicht so schlecht aus fürs erste.

Eilig habe ich es trotzdem nicht. Bis Januar möchte ich mir noch gönnen. Und eine Portion Glück benötige ich schliesslich auch. Ein Job fällt einem ja nicht einfach so in den Schoss, schon gar nicht, wenn er teilzeit sein soll.

Übrigens kann ich fast von Glück sagen, dass ich meine Stelle in Israel aufgegeben habe. Vorgestern sind 25% der Mitarbeiter entlassen worden. Ich bin noch ganz geschockt.

Donnerstag, 5. Juli 2007

Peinlich

Heute wäre ich am liebsten im Erdboden versunken.

In der Mittagspause bin ich schnell zum Zahnarzt gedüst, um mir die letzte Füllung verpassen zu lassen. Als ich wiederkam, blinkte auf meinem Bildschirm ein kleine Erinnerungsbox:
Reminder: Jeanne + Zafi
51 Minutes Overdue
Zafi ist der Chef meines Chefs. Diese Besprechung war sein Monaten anberaumt. Ich hatte es leider versäumt, vor dem Zahnarzttermin in meinen Kalender zu schauen. Ich wäre fast gestorben vor Scham.

Nachtrag: Den Kopf abgerissen hat er mir nicht. Die Besprechung ist auf nächsten Mittwochen verschoben.

Dienstag, 12. Juni 2007

Das schlechte Gewissen

plagt mich. Da bin ich vor einer Stunde zur Arbeit erschienen, als alle anderen schon im Begriff waren zu gehen, weil doch der kleine Mann heute mit Fieber zu Hause geblieben ist und ich mit ihm. Um guten Willen zu zeigen und zu beweisen, dass ich trotz Standortwechsel meine Arbeit noch ernst nehme (wirklich!), habe ich mich auf ins Büro gemacht, sobald meine Schwiegermutter bei uns eingetrudelt ist. Und nun sitze ich hier und lese mich durch einen Blog nach dem anderen... Woher soll man auch die Motivation zum Arbeiten nehmen, wenn überall schon das Licht aus ist? Aber gleich, gleich werde ich noch ein bisschen was tun. Nur noch schnell erzählen, dass seit gestern die Daten feststehen:

Sonntag, 29. Juli: Tel Aviv -- Köln-Bonn
Donnerstag, 16. August: Düsseldorf -- Las Vegas -- San Francisco

Hach, ist das aufregend. Dass wir uns gezofft haben, weil es irgendwo auf dem weiten Reisemarkt noch günstigere Tickets gab als die, die ich ausgegraben habe, ist doch da eigentlich nebensächlich.

Mittwoch, 6. Juni 2007

The word is out

Seit gestern verbreitet sich im Büro die Nachricht meines Abschieds. Warum erst jetzt, obwohl ich doch schon vor einem Monat gekündigt habe, ist mir schleierhaft. Scheinbar waren die Klatschkanäle verstopft.

Alle Naselang steckt jemand den Kopf zur Tür herein, fragt "Was habe ich da gehört? Du gehst?" und schiebt gleich nach "Was sollen wir denn bloss ohne dich machen?". Wenn Leute den Grund erfahren, beobachte ich oft, was wir inzwischen gemeinhin als den Berkeley-Effekt bezeichnen: der Ausruf "Berkeley?? WOW!!!", begleitet von hochgezogenen Augenbrauen, aufgerissenen Augen und einem offenstehenden Mund. R&D-Direktor R. zum Standortwechsel: "Also wenn nicht Attunity, dann ist Berkeley DER Ort."

So werde ich denn langsam anfangen, meine Tage zu zählen. Wenn alles so verläuft, wie zur Zeit angedacht, dann könnte der letzte Arbeitstag auf meinen Geburtstag fallen. Wäre doch nett. Aber bis dahin muss ich noch die Dokumentation für Version 2.2 dieses Produkts fertigstellen...