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Donnerstag, 20. August 2009

Spenderherz

Ich bin beeindruckt. Amerikaner sind wirklich ein Volk mit Spenderherz.

Wir sitzen im gläsernen Besprechungszimmer, als ein Kollege an uns vorbei zu seinem Platz eilt. "War das P.?" ruft S. erstaunt. Er wars. Nackt, ganz ohne seine wunderschönen schwarzen Locken. Wie Haare (oder ihre Abwesenheit) doch einen Menschen verändern!

Sobald wir die restlichen Punkte auf unserer Agenda abgehakt haben, hechtet S. zur Tür und weiter zu P.s Schreibtisch. "Erzähl mal, warum hast du deine schönen Locken abgeschnitten?!" verlangt sie zu wissen. Die überraschende Antwort: Als Spende für die Perücken von Krebspatienten.

Zugegeben, ich habe mir noch nie so richtig Gedanken über die Haar-Quelle für Echthaarperücken gemacht. Aber dass man Haare spenden kann, darauf wäre ich so schnell nicht gekommen. S. nickt bestärkend. Doch, dass sei gar nicht so ungewöhnlich. Y. zum Beispiel habe ihre Haare nur so lang wachsen lassen, um sie anschliessend spenden zu können.

Das erklärt, warum aus dem fast hüftlangen Haar unserer Produktmanagerin vor einigen Wochen ein fescher Bob geworden ist. Als Geste für ihre kranke Schwiegermutter.
Das berührt. Und wieder einmal frage ich mich: was tue ich eigentlich (für andere)???

In diesem Sinne: S. hat übrigens selber ein grosses Herz. Von ihrem Heimaturlaub in Indien hat sie mir dieses Schild mitgebracht:

Dienstag, 9. Juni 2009

Identity theft

Auch so eine Sache, von der man immer glaubt, sie passiere nur anderen. Bis man mit Leuten ins Gespräch kommt und feststellt: das ist gar nicht so abwegig!

Meine Arbeitskollegin konnte von Glück sagen, dass sie im Ausland war, als jemand sich munter-flockig ihrer Daten bediente und wahllos Konten eröffnete, einkaufen ging und einen Mietwagen stohl. Da sie nicht im Land war zu besagter Zeit, hatte sie keine Probleme zu beweisen, dass sie das auf keinen Fall gewesen sein konnte.

Trotzdem: das ist inzwischen ein halbes Jahr her, und immer noch bekommt sie Anrufe von Instituten bezüglich eines Kontos in ihrem Namen, und ihre Kreditgeschichte, hier in den USA ein wesentlicher Faktor, wenn es darum geht, Darlehen aufzunehmen oder einfach grössere Einkäufe zu tätigen, ist zur Zeit im Eimer. Die muss sie umständlich bereinigen lassen, indem sie jedes Institut einzeln anruft und den Sachverhalt erklärt. Abgesehen davon, dass besagte Identitätsklauer auch ihre Sozialversicherungsnummer haben, so dass sie sich im Grunde nie mehr völlig sicher fühlen kann. Eine neue kann sie aber nur beantragen, wenn sie nachweisen kann, dass sie alles erdenkliche getan hat, um den weitergehenden Missbrauch zu verhindern. Da zur Zeit keine akuten Vorfälle vorliegen, trifft das aber nicht zu. Ganz schön übel.

Das Beste: Meine Kollegin vermutet, dass die Ganoven ihre Daten über die Uni bekommen haben, denn es gab einige Male Datenbankeinbrüche. Das wiederum betrifft auch meinen lieben Ehemann. Vielleicht sollten wir uns also doch besser absichern und vorsichtiger sein. Mir jedenfalls ist plötzlich ziemlich unwohl in meiner Haut...

Tragisch

Man stelle sich vor: Der Vater verstaut sein 4 Monate altes Baby im Auto, um es zum Hort zu bringen, setzt sich hinters Steuer und fährt los. Gedankenverloren schlägt er den Weg zum Bahnhof ein, parkt den Wagen und beeilt sich, den nächsten Zug zu erreichen, um rechtzeitig im Büro zu sein.

Abends kommt die Mutter zum Hort, um ihr Baby abzuholen, erfährt aber, dass es nie dort angekommen ist. Voller Panik fährt die Mutter zum Bahnhof, sucht das Auto des Vaters -- und findet ein regloses Baby auf dem Rücksitz. Verstört und ausser sich, ruft sie den Krankenwagen, doch das Kind stirbt kurze Zeit später.

So passiert gestern hier, am Bahnhof in El Cerrito, gleich um die Ecke. Das schlimme ist, dass ich mir sogar vorstellen kann, wie sowas passieren kann. Wenn noch keine Routine da ist, das Baby erst seit ein paar Wochen in den Hort geht, dann im Auto einschläft und keinen Ton von sich gibt, der Vater vielleicht mit den Gedanken schon bei der Arbeit ist, weil er ein Projekt abschliessen muss oder eine Besprechung zu leiten hat, und so völlig vergisst, dass das Kind im Auto sitzt. Manchmal ist man einfach kopflos. Wie tragisch, wie furchtbar. Da bricht deine ganze Welt einfach so zusammen. Ich bin total schockiert. Aber leider liest man immer wieder solche Geschichten. Jedes Jahr. Dabei war es gestern nicht mal warm hier.

Samstag, 6. Juni 2009

Und wieder bebt die Erde

Das war also eine 3.2 auf der Richterskala. Ich fand's ziemlich spürbar und hab mich mächtig erschrocken. Dauerte aber wirklich nur eine Sekunde, so dass ich mir nicht sicher war, bis ich dann die Nachbarin nach ihrem Sohn rufen hörte: "Mustafa, are you OK? That was an earthquake!" Das dürfte das dritte gewesen sein, das wir gespürt haben, seit wir hier sind.

Donnerstag, 23. April 2009

Schade

Kürzlich bin ich auf den Blog eines Kollegen gestossen, der die Firma verlassen hat, um mit seiner Familie zurück in die Schweiz zu gehen. Ironischer Weise habe ich nie direkt mit ihm zu tun gehabt und ihn überhaupt aufgrund seines Vornamens für einen Franzosen gehalten (was mir selber auch ständig passiert). So habe ich erst durch den Link zu seinem Blog in seiner Abschieds-email erfahren, dass wir eigentlich Sprach-verwandt sind. Schade. Ein kleiner Chat zwischendurch wäre doch nett gewesen.

Nicht, dass es mir daran mangeln sollte. Ich weiss von mindestens drei anderen deutschsprachigen Kollegen im Haus. Aber es bestätigt sich halt einmal mehr meine Theorie: Israelis im Ausland suchen und finden sich. Deutsche (oder Deutschsprachige) hingegen gehen sich lieber aus dem Weg. Ist das nun sonderbar, oder wie?

Natürlich gibt es die Gruppe der East Bay German Moms (GerMoms), die diese Theorie widerlegt. Aber die treffen sich leider zweimal wöchentlich zu Zeiten, in denen andere Menschen ARBEITEN. Nochmal schade.

Donnerstag, 16. April 2009

Masslose Verwirrung

Stillen hin oder her, aber der Nestschutz ist endgültig vorbei. Heute morgen ist der kleinste meiner Männer mit Fieber aufgewacht. 101.3° Fahrenheit. Dass alles über 98.6 erhöhte Temperatur ist, wusste ich. So wie ich weiss, dass ich mich draussen in den 70ern gut fühle und bei über 90 schwitze. Aber wieviel Fieber ist jetzt 101.3? Wieso muss man hier bloss immer alles umrechnen? Pound, quart, gallon, feet, inch, da schwirrt einem der Kopf. Inzwischen kann ich mir merken, dass ich 5 feet 9 inches gross bin, aber bis vor kurzem musste ich dafür immer meinen Führerschein aus der Tasche kramen. Oder dass ich mit Klamotten beim Arzt etwa 126 lbs wiege. Und ab heute werde ich mir auch merken, dass 101.3 ° Fahrenheit genau 38.5° Celcius entsprechen. Das ist Fieber. Da hat die Tagesmutter frei (oder zumindest ein Kind weniger) und der grösste meiner Männer eine Aufgabe mehr. Dafür sitze ich (Raben?)Mutter im Büro, mit meiner Medela Freestyle. Denn auch wenn kein Netzschutz mehr besteht: Breastmilk is best. Oder, Frau Warner? Mir jedenfalls macht das Abpumpen nichts aus, auch wenn ich den Eintrag sehr nett fand.

Donnerstag, 8. November 2007

Blechschaden

Und noch ein Ärgernis. Ist mir doch vor drei Wochen so ein blindes Huhn ins Auto gedonnert. Mittags, als ich mit Sohnemann im Auto vom Kindergarten kam und gerade so schön ausholte, um in unsere Parklücke zu fahren. Brettert sie rückwärts aus ihrer Lücke raus, ohne in den Spiegel zu sehen (oder über die Schulter -- ich habe schliesslich gestern meine Fahrprüfung bestanden!), und kracht mir in die Beifahrerseite. Statt sich kleinlaut zu entschuldigen, schmiert sie jedoch nur übellaunig ihre Kontaktdaten auf einen Zettel -- erst am Abend zuvor hat man ihr das Protemonnaie geklaut (nein, ich weigere mich, Portmonee zu schreiben!) --, reicht ihn mir, verlangt im Gegenzug meine Daten und wünscht mir dann widerwillig einen guten Tag.

Seither schlage ich mich mit der Versicherung rum. Am Freitag war endlich ein Gutachter da, um den Schaden unter die Lupe zu nehmen. Vorher hatte ich schon eine Unfallskizze hingefaxt. Alle paar Tage rufe ich an um zu hören, wie die Sache voranschreitet. Und was erfahre ich gestern? Es ist noch nicht entschieden, wer den Unfall verschuldet hat -- die Dame von nebenan besitzt nämlich die Unverschämtheit zu behaupten, ich sei rückwärts gefahren! Ein blindes Huhn eben. Oder strohdoof, da bin ich mir noch nicht sicher. Oder einfach dreist. Schliesslich ist sie mir in die Seite gefahren. Dass wird man ja hoffentlich anhand des Schadens rekonstruieren können. Welche Kräfte da auf welches Auto gewirkt haben. Bis morgen soll eine Antwort vorliegen. Man darf gespannt sein!

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Happy Halloween

Heute ist die Nacht der Nächte. Als Captain Hook ist Yair mit seinem Kürbis von Haus zu Haus gezogen. Trick-or-Treating. Am Ende war der Kürbis prall und schwer, Yairs Finger klebrig von all den Lutschern, die er ausprobieren musste, und der Kopf so müde, dass er auf dem Weg nach Hause auf Papas Schulter eingeschlafen ist. Nett wars. Gruselig nicht. Bilder folgen.

Da bebte die Erde

und wir haben gar nichts mitbekommen...

Kurz nach 20 Uhr klingelt mein Handy. Mein Student ist dran. "Habt ihr das Erdbeben gespürt? Ist alles OK?" Erdbeben? Was? Keine Ahnung. Ich habe den kleinen Mann bettgehfertig gemacht. "Du hast nichts gemerkt? Hier hat das ganze Gebäude gebebt!" ruft mein Student fassungslos.

Kurz darauf erscheint eine Chat-Nachricht auf meinem Bildschirm. Anke von Um-die-Ecke. "Hi Jeanne! War das gerade dein erstes Erdbeben in der Bay Area?"

Vielleicht bin ich wirklich die einzige, die nichts mitbekommen hat? Ich stelle das Fernsehen an. KRON TV, 4. Programm. Sondersendung. Stärke 5.6 auf der Richterskala. OK, das überzeugt mich. Wir haben wohl wirklich was verpasst. Aber traurig bin ich darüber nicht.

Montag, 23. Juli 2007

Ein letztes Geleit

Ich mag Friedhöfe. Ich liebe die Ruhe, die dort herrscht. Ich wandere gerne durch die Reihen, lese die Inschriften und versuche mir vorzustellen, welche Lebensgeschichten sich dahinter verbergen.

Der Friedhof von Even Yehuda liegt inmitten von Wiesen und Feldern. Ein schmaler, sandiger Weg führt auf einen kleinen Schotterparkplatz, von dem aus es nur wenige Schritte bis zum eisernen Eingangstor sind.

Gestern drängten sich dort Autos und Menschen dicht zusammen. In der sengenden Nachmittagssonne entwickelten sich leise Gespräche zwischen fassungslosen Bekannten, Freunden, Verwandten. Viele wischten sich ununterbrochen die Augen oder schnieften, weil sie in der Hektik nicht an Taschentücher gedacht hatten.

Mit halbstündiger Verspätung bahnte sich schliesslich der Wagen mit Hilas leblosem Körper durch die Menge. Kurz darauf näherten sich die engsten Angehörigen, eine Familie jemenitischer Einwanderer, darunter Hilas Kinder -- ein fünfzehnjähriger Sohn und eine sechszehnjährige Tochter -- und ihre Mutter, laut klagend und weinend, gestützt von Hilas Geschwistern. "Kacha at holechet?!" rief sie immer wieder. "Kacha?!" (So gehst du?! So?!)

Die Eltern fast aller Kindergartenkinder hatten sich eingefunden. Hilflos standen sie herum, bis sich die Masse in Bewegung setzte, um Hila zu ihrer letzten Ruhestätte zu begleiten. Erinnerungen blitzten auf. Hila mit den Kindern auf dem Spielplatz. Hila beim Spülen. Hila zwischen Kindern und Bauklötzen. Hila in ihrem grünen Auto auf dem Weg nach Hause. Hila. Ihre schlanke Gestalt. Die tiefe, rauchige Stimme. Die dunkle Haut, das schwarze Haar. Ihr Lachen. Hila ist nicht mehr. Das ist alles, was bleibt.

Mit hängenden Schultern schlichen wir zurück zu unseren Autos, warteten geduldig, bis alle Blockaden sich aufgelöst hatten und der Weg frei geräumt war. Ein letzter Abschied. Dann senkte sich erneut Stille über den Friedhof, hin und wieder durchbrochen vom Schrei eines Vogels, der hoch über den Feldern seine Kreise zog oder vielleicht in einer der hohen Kiefern ruhte.

Heute spielt Yair wieder im Kindergarten. Sicher sitzt er gerade im Sandkasten und backt Erdbeerkuchen. Ob er sich fragt, warum Hila nicht kommt? Sie ist auf eine weite Reise gegangen. Weiter noch als Amerika. Viel weiter.

Hila

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dies ein schwarzer Tag werden würde. Dabei beginnt Tisha Be'Av erst heute Abend.

Als ich die Kindergärtnerin heute Morgen wegen der Geschichte mit den Schuhen anrief, war zunächst besetzt, dann war sie sehr kurz angebunden, als ob sie nicht ganz bei der Sache sei oder sich Sorgen mache. Nachdem Shai den kleinen Mann dort abgesetzt hatte, erzählte er, Hila, die zweite Kindergärtnerin, sei am Morgen nicht aufgewacht, nicht zur Arbeit erschienen, man habe einen Krankenwagen zu ihr nach Hause geschickt, wisse nicht, was sei.

Gerade kam die Nachricht: Hila ist tot. An Herzversagen gestorben. Scheinbar hatte sie einen Herzfehler, von dem nur Nahestehende wussten. Sie hinterlässt zwei Kinder, die älteste Tochter ist 16. Ich bin schockiert und habe mir schon die Augen rot geweint (mein Chef denkt jetzt, dass ich eine echte Heulsuse bin). Um 13 Uhr muss ich Yair abholen, wann die Beerdigung ist, steht noch nicht fest. Ach, ist das Leben ungerecht. Und unberechenbar.

Donnerstag, 5. Juli 2007

Typisch oder: Was war noch gleich Chuzpa?

Ein Israeli auf Geschäftsreise in China.

Kurz vor dem Heimflug hinterlässt die Fluggesellschaft eine Nachricht auf seinem Handy. Aus platztechnischen Gründen müssten sie ihn in die Business Class umbuchen und würden daher sein Vielfliegerkonto mit 100 Punkten belasten. Er solle bitte zurückrufen, um diese Änderung zu bestätigen.

Der Israeli ist empört und erscheint wenig später ohne zurückgerufen zu haben am Flugschalter zum Einchecken. Die Angestellte der Fluggesellschaft stellt ihm ein Business Class Ticket aus. "This is business class!" ruft der Israeli entrüstet. "I do not want to fly business class! Please book me into economy class! I did not request business class!" Die chinesische Dame, völlig überrumpelt von der heftigen Reaktion, ist ratlos und weiss sich nicht zu helfen.

Wenig später sitzt der Israeli mit seinem Business Class Ticket in der Business Class Lounge. Laptop auf dem Schoss, verfasst er eine email an die Fluggesellschaft. "I am sitting here in the Business Class Lounge. I did not ask for Business Class. I want to fly economy. You cannot charge me 100 points."

Anschliessend räkelt er sich hoch über den Wolken genüsslich in luxuriösen Sesseln und lässt sich kulinarisch verwöhnen.

Resultat: Die Fluggesellschaft erstattet dem Israeli die 100 Punkte und zahlt ihm US $50 Entschädigung.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Wer kennt sich aus?

Plötzlich stecke ich mitten in dieser Familienforschung, die nicht meine ist. Vor einigen Wochen erreichte mich die Bitte, einer alten Dame zu helfen, deren Suche nach Angehörigen und Einblick in die Familiengeschichte an ihren mangelnden Deutschkenntnissen scheiterte. Sie müsse die deutschen Behörden erreichen und wisse nicht wie, weil sie zwar Deutsch verstehe, aber nur leidlich spreche und nicht schreiben könne. Nichts leichter als das! dachte ich mir, froh darüber, behilflich sein zu können. Einen Brief auf Deutsch zu verfassen, ein Telefonat zu führen, dazu war ich gerne bereit. Ich liess mir die Adresse geben und rief an. Zu dieser Zeit steckte die Dame allerdings gerade mitten in Renovierungsarbeiten und bat darum, mich zurückrufen zu dürfen.

Heute Morgen klingelte das Telefon. Ich war auf dem Weg in eine Besprechung, rief aber anschliessend zurück. "Jeanne, wie nett, dass Sie anrufen!" freute sie sich. "Hören Sie, ich möchte, dass sie folgendes für mich tun. Ich habe nur dürftige Daten über meine Grosseltern, meine Eltern sind in den Lagern umgekommen, lebende Verwandte sind mir nicht bekannt, aber da meine Grosseltern, zumindest mein Grossvater väterlicherseits, Geschwister hatten, bin ich sicher, dass es noch irgendwo Verwandte gibt. Die möchte ich finden. Mein Grossvater hiess..."

Ohne Punkt und Komma gab sie mir alle Informationen durch, die sie besitzt. Namen, Orte, Geburts- und Sterbedaten. Und jetzt sitze ich hier und bin völlig überrumpelt. Diese Aufgabe stellt sich als viel komplizierter heraus als gedacht. Ich war überzeugt, sie wüsste genau, wo sie die Suche fortsetzen muss. Stattdessen halte ich lose Enden in der Hand und kaum einen Anhaltspunkt. Wie komme ich an Informationen über Menschen, die um die Wende zum 20. Jahrhundert irgendwo in Preussen geboren wurden? Deren Geburtsdaten bruchstückhaft sind? Deren Eltern oder Kinder von den Deutschen vernichtet wurden? Schon habe ich mich völlig im Internet verfranst, suche mich durch den Informationsdschungel und werde von Seiten aufgehalten, die Anmeldung und Bezahlung verlangen. Datenbanken gibt es weiss Gott genug, aber nicht kostenlos. Helfen möchte ich zu gerne. Aber wie?

Ich bin offen für alle guten Ratschläge!

Samstag, 16. Juni 2007

Alles eine Frage der Beziehung

In letzter Zeit fordern Stress und Müdigkeit ihren Tribut. Ich bin gereizt, leicht verärgert und neige zu ungehaltenen oder unangemessen scharfen Reaktionen. Ein Leben in einer fremden Sprache ist da nicht gerade hilfreich.

So geschah es, dass ich meinen Göttergatten anrief, um ihm entnervt von den drei Löchern in meinen Zähnen zu erzählen. "Yofi", entgegnete er. "Mazat lach zman!" Was so viel heisst wie: "Wunderbar. Da hast du dir ja einen günstigen Zeitpunkt ausgesucht!" Empört über diese Antwort, preschte ich gleich los. Was das denn heissen solle! Als ob ich das absichtlich so gedreht hätte! Ob das das einzige sei, was er dazu zu sagen habe! Er, im Gegenzug, war verärgert über meine Reaktion, die er völlig überzogen fand. Man sage das nun mal so im Hebräischen. Keine böse Absicht.

Alles also ein sprachliches Missverständnis? Ich war um Aufklärung bemüht.

Als später zufällig meine Schwiegermutter anrief, packte ich die Gelegenheit beim Schopf. "Sag mal", begann ich. "Wenn jemand zu dir sagt 'Mazat lach zman', was bedeutet das?" Sie überlegte einen Moment und meinte dann: "Das hängt von der Situation ab. Wenn jemand es im Spass sagt, mit einem Lachen, dann amüsiert er sich über den treffenden Zeitpunkt. Aber wenn jemand es in einer ernsten Situation sagt, dann ist es für gewöhnlich ein Zeichen dafür, dass er sich über dich ärgert." "Ach, danke!" rief ich aus, erfreut darüber, dass mein sprachliches Empfinden mich nicht getäuscht hatte. "Das bestätigt genau, was ich dachte!" Da wurde sie misstrauisch. "Warum?" Wer hat das denn zu dir gesagt?" wollte sie wissen. Ich schilderte ihr das Gespräch, nur um gleich unterbrochen zu werden: "Nein, also wenn Shai das gesagt hat... Weisst du, wenn jemand, der dir nahe steht, das zu dir sagt, dann ist es eigentlich niemals ein Zeichen des Ärgers!"

Donnerstag, 14. Juni 2007

Zahntrolle

Dass ich einen süssen Zahn habe, ist kein Geheimnis. Das liegt in der Familie. Über die Geschichten von Karies und Baktus, die ich dem kleinen Mann jeden Abend erzähle, damit er den Mund ordentlich aufsperrt, habe ich aber entweder die eigene Zahnpflege vernachlässigt oder das Übel heraufbeschworen: 3 Löcher auf einen Schlag. Dabei habe ich seit Jahren keine Füllung mehr bekommen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als jeder Gang zum Zahnarzt mir ein grosses Lob einbrachte, weil ich doch so schöne Zähne habe, darunter sogar noch ein Milchzahn, der sich hartnäckig hält, weil kein bleibender ihn nach draussen befördert hat. Damit habe ich mir oft Bewunderung verdient.

Diese Ära ist vorbei. Ich bin eben keine 15 mehr. Zwei Spritzen und zwei Plomben später ist mir das klar. Der Termin für den dritten Akt steht noch aus, aber die Rechnung ist schon bezahlt. Per Kreditkarte.

Ich kann nur von Glück sagen, dass ich nicht zu denen gehöre, denen es beim Gedanken an Zahnärzte graust. Weh getan hat mir noch niemand. Irgendwie verläuft alles immer ganz glimpflich. Heute hatte ich sogar recht nette Unterhaltung, denn Ärztin und Gehilfin traten vor mir ihr gesamtes Privatleben breit. Die eine geschieden, wieder verheiratet, mit Kind und gerade erneut schwanger. Die andere noch mann- und kinderlos, aber dafür mit vielen Wünschen für die Zukunft. Fast kam ich mir vor wie in einer Reality-Show. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in deutschen Praxen so freizügig vor den Patienten geplaudert wird. Nette Ablenkung. Ich war so in ihr Gespräch vertieft, dass ich meinen Mund immer weiter und weiter aufsperrte, nur um ihn dann letztlich kaum noch zuzubekommen. Schliesslich machte es einmal gehörig knack und der Unterkiefer klappte hoch. Autsch. Das tat dann doch weh.

Dienstag, 29. Mai 2007

Nadeln braucht das Land

Vergebens bin ich heute Mittag losgezogen, um eine Nadel zu suchen. Eine Nähnadel. Mir sind die wenigen, die ich hatte, abhanden gekommen, und inzwischen gibt es doch den einen oder anderen Knopf anzunähen und Nähte zu flicken. Alles muss ja ordentlich sein, wenn wir die grosse Reise antreten.

Aber wo kauft man die Dinger bloss in diesem Land? Mein erster Versuch war einge Drogerie. Fehlschlag. Kaufhaus Nummer eins. Nichts. Kaufhaus Nummer zwei. Wieder nichts. Schon leicht verzweifelt dann noch ein Versuch: Ein Outdoor-Laden (Nadeln sollten doch zur Notfall-Ausrüstung gehören. Oder???). Wieder Kopfschütteln. Aber der junge Mann konnte mich wenigstens an eine Schneiderei im gleichen Gebäude verweisen. DA sollte ich doch fündig werden! Doch der Schneider schaute mich nur mitleidig an und meinte: "Nadeln gibt es nur im Zentrum." Soll heissen: Tel Aviv. Ha! Keine Nadeln im Land! Was nun???

Ganz einfach: Die Knöpfe bleiben noch liegen, die Nähte löchrig. Zuschlagen werde ich erst, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Schaffen werde ich sie nicht. Lächerlich.

Samstag, 26. Mai 2007

So ein Ärger

Da stecke ich gerade mitten in Stubbes aktuellem Fall, zusammengekauert auf dem Sofa, eine Tasse Pfefferminztee in der Hand -- und plötzlich ist das Signal weg. Das kann ja wohl nicht sein. Seit 20 Minuten herrscht auf dem Bildschirm tiefste Schwärze. Das schlimmste: So geht mir gleich auch Bella Block durch die Lappen! Ich soll mich wohl schon mal daran gewöhnen, dass es mit den Öffentlich-Rechtlichen bald vorbei ist...

Aber so komme ich wenigstens endlich mal wieder zum Bloggen. Hier also die vergangene Woche in Bildern.

Wasserpark in Zur Moshe, Erev Shavuot:


Für unserer Essen im kleinsten Familienkreis am Abend habe ich Blintzes gebacken (gefüllt mit einer Mischung aus Frischkäse, Rosinen, Zucker und Zimt). Das grosse Fressen am Tag danach bleibt undokumentiert.


Heute Nachmittag haben wir uns im HaYarkon-Park in Tel Aviv mit Freunden getroffen, die zur Zeit in Australien leben. Das war ein nettes Ereignis, zumal Ziv und Yair die besten Freunde werden könnten. Wenn er am Samstag nicht wieder nach Down-Under flöge. Und wir nicht im August in die USA...



Nach so viel Toben überfiel den kleinen Mann dann irgendwann der Mittagsschlaf, aus heiterem Himmel. Unter Bäumen schläft es sich schliesslich am schönsten.


Nachtrag: Die Sonne schien ja heute wieder ungefiltert. Keine Wolke am Himmel. Das verleitet einige Leute dazu, beim Sonnenschutz richtig kreativ zu werden. So wie diese Dame:

Mittwoch, 16. Mai 2007

Lag BaOmer Nachtrag

Eine Mutter hat mir eben Bilder von der Lag-BaOmer-Feier im Kindergarten geschickt. Hier eine Collage:

Montag, 14. Mai 2007

Zum Lächeln

hat mich diese Geschichte heute Morgen gebracht. Soviel zur Völkerverständigung. Die armen Japaner. Wobei mir schleierhaft ist, warum man einen Ausflug ausgerechnet nach Afula plant, wo dieses Land so viel anderes zu bieten hat. Ich kenne Afula nur als das Loch auf der Landkarte, das wir manchmal auf dem Weg in den Norden durchqueren und schnellstmöglich wieder verlassen...