Freitag, 29. Mai 2009
Wie lange gilt Stillen als 'normal'?
Ich persönlich habe mir fürs Abpumpen ein Limit gesetzt: das mache ich noch bis August; dann wird Yonatan ein Jahr alt, und darüber hinaus kann ich das bei der Arbeit meines Erachtens nach nicht mehr rechtfertigen. Morgens, abends und nachts habe ich eingentlich schon vor weiterzustillen, so lange wie es eben klappt/gewünscht wird, zumindest noch etwa ein halbes Jahr. Liegt das im Rahmen? Meine bessere Hälfte fragt inzwischen schon, wann ich denn endlich damit aufhören will. Irgendwie scheint es die Umwelt ab einem gewissen Alter zu stören. Ich würde wirklich gerne Meinungen dazu hören!
Yair hat sich mit 10 Monaten selber abgestillt. Da wollte er nur noch Fläschchen, und so viel pumpen konnte ich dann doch nicht. Das geht ja an die Substanz.
Samstag, 2. Juni 2007
Weiss jemand
Wir haben jetzt schon drei Mal so einen selsamen Kokon hinter unseren Büchern im Arbeitszimmer gefunden. Jedes Mal ekeln wir uns und machen alles akribisch sauber, nur um einige Monate später wieder sowas zu finden. Wir sind völlig ratlos. Wenn jemand eine Idee hat, nur her damit!!!
Montag, 19. März 2007
Vom Übel der Dreisprachigkeit
Einer der Bereiche, der beunruhigt, ist der Spracherwerb. Yair wächst zweisprachig auf, bald kommt eine dritte Sprache hinzu -- (wie) wird das den Erwerb seiner beiden Muttersprachen beeinflussen oder stören? Viel Forschung zum Thema Dreisprachigkeit scheint es nicht zu geben, aber was ich finde, klingt eigentlich recht positiv.
Zunächst einmal scheint es einen Trend zur multilingualen Familienkonstellation zu geben:
Es scheint, dass Dreisprachigkeit ein wachsendes Phänomen ist, z.B. die steigende Zahl von Familien, die berufsbedingt von Land zu Land ziehen. Es entstehen zunehmend mehr Familien, in denen die Eltern unterschiedliche Muttersprachen sprechen, die jeweils nicht die Sprache des Landes ist, in dem die Familie lebt.Wir sind also kein Einzelfall. Die Welt wird mehr und mehr zum globalen Dorf, das muss man akzeptieren. Damit gehen auch Entwicklungen wie diese einher, und man muss sich arrangieren. Das relativ einfach gestrickte Modell "one parent, one language", kurz OPOL, reicht da nicht mehr aus. So heisst es:
Für das erfolgreiche Aufwachsen mit drei Sprachen ist es wichtig, dass Eltern ein Rezept für ihre Familie entwickeln, das natürlich komplexer sein kann als die oft vertretene „Eine Person - eine Sprache“-Regel. Dreisprachigkeit ist oft einer stärkeren Dynamik ausgesetzt als Zweisprachigkeit und benötigt mehr Flexibilität seitens der Familie.
Deshalb suchen wir für Yair einen Kindergarten, in dem auch Hebräisch-sprechende Kinder sind, und ich werde mich bei einer deutschen Spielgruppe anmelden, damit die beiden Muttersprachen neben der Umgebungssprache nicht zu kurz kommen.
Positiv stimmt mich, dass zwischen Zweisprachigen und Dreisprachigen in der Regel nur wenige Unterschiede festgestellt werden und dass Dreisprachige in manchen Untersuchungen Zweisprachigen sogar überlegen zu sein scheinen. Dennoch macht sich die Tatsache, dass dreisprachige Menschen vergleichsweise ein viel grösseres Vokabular besitzen, doch irgendwie bemerkbar. Es heisst:
Es ist wohl so, dass es bei Dreisprachigen noch stärkere Abweichungen bezüglich des Wortschatzes gibt: Bestimmte Lebensbereiche werden oft nur durch eine der drei Sprachen erfasst.
Generell ist sich die Forschung wohl einig darüber, dass Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, kognitiv flexiber und damit effizienter sind. Dass Multilingualität als etwas potenziell Gefährdendes betrachtet wird, schein vielmehr ein Phänomen der westlichen Welt zu sein:
[...] it is surprising how many languages a child’s brain can acquire as long as she is receiving interaction and exposure in all of them. Think for a moment of all the tribes of Africa, who grow up speaking more than one tribal language and usually learn a fluent lingua franca as well spoken by the whole country (e.g. English in Ghana). Multilingualism on a grand scale is commonplace in many countries – it seems to be only in Western countries that we regard it with any alarm!
Sollten wir uns also zu viele Gedanken machen? Sollten wir uns schlecht fühlen, weil wir unserem Kind sowas antun? Ich glaube nicht. Wichtig ist, dass wir versuchen, Hebräisch und Deutsch als Muttersprachen zu fördern, so gut es geht. Englisch wird Yair durch die Umgebung von ganz alleine lernen.
Quellen:
http://www.sozialnetz.de/ca/qq/ssj/
http://en.wikipedia.org/wiki/Trilingual
http://en.wikipedia.org/wiki/Cognitive_advantages_to_bilingualism
http://www.bilingualbabies.org/
Montag, 12. März 2007
Warum
Ich sage: So schlimm kann meine Entscheidung nicht gewesen sein, wenn ich heute so glücklich bin damit. Welch eine Bereicherung mein Leben erfahren hat durch das Eintauchen in eine neue Kultur, eine neue Sprache, eine andere Religion! Es war nicht einfach, aber heute denke ich, dass mich diese Erfahrung gestärkt hat, in jeder Beziehung. Selbstaufgabe? Davon kann gar keine Rede sein.
Neue Situation, ähnliche Konstellation: Mein Mann verwirklicht seinen Traum, und wieder dackel ich scheinbar willenlos hinterher. Jeanne, was soll nur aus dir werden? Was sich hinter der Szene abspielt, wie wir überhaupt in diese Lage gekommen sind, bleibt verborgen. Ich war es nämlich, die den ewig nölenden, unzufriedenen, neidischen Göttergatten erst dazu angetrieben hat, Nägel mit Köpfen zu machen und endlich sein wahres Ziel zu verfolgen. Ohne mich wären wir heute nicht an diesem Punkt. Ist das nun eine Zeichen von Schwäche oder von Stärke? Ein Ego-Trip ist die MBA-Geschichte jedenfalls nicht, dazu hat mein Schatz zu viele Skrupel. Es ist vielmehr so, dass ich ihn jedes Mal wieder ansporne, wenn er kurz davor ist aufzugeben, alles hinzuwerfen. Vielleicht bleiben wir doch lieber hier, meinte er gestern. Genau. Damit er mir in den nächsten Jahren vorheulen kann, was er verpasst hat, sich vorwerfen, dass er die Chance nicht genutzt hat. Man kann sich vieles verzeihen, aber nicht das, was man nicht getan hat.
Ich jedenfalls freue mich auf das neue Kapitel. In jeder Veränderung liegt doch eine Chance, und aus jeder Veränderung geht irgendwie etwas Gutes hervor. Ich glaube fest daran. Ist das naiv? Bisher jedenfalls ist es immer so gewesen. Nicht umstonst sagen die Israelis in jeder noch so verzweifelten Lage: Ihiye beseder! (Alles wird gut!) Und meine Mutter hat mir immer erklärt, dass man es nicht allen Recht machen kann. Dass man Entscheidungen für sich selber treffen muss. Auch das stimmt.
Dienstag, 6. März 2007
Das tat weh
Meinen Mann bringt es manchmal auf zu sehen, wie die Deutschen ihr eigenen Wunden lecken. Die Deutschen, die doch schliesslich an allem selber Schuld waren. Deshalb habe ich mich auch zurück gezogen und den Film ganz alleine angschaut. Ich wollte mich auf keine Diskussionen einlassen. Natürlich hat er einerseits recht. Andererseits muss man allen das Recht auf Schmerz und Leid zugestehen, es anerkennen. Die Seite, auf der man steht, ändert doch nichts an der Art und Weise, wie man mit schlimmen Erfahrungen umgeht und dass man an ihnen zerbrechen kann.
Das ist übrigens nur ein kleiner Einblick in die Komplexität unserer Beziehung. So ist das eben, wenn Deutsche und Juden eine Verbindung eingehen. Nichts ist selbstverständlich. Der Film, der mich zutiefst erschüttert hat, hat mir das wieder einmal gezeigt. Und mich darin bestärkt, meine Oma einmal zum Gespräch zu bitten. Ich möchte nicht, dass all ihre Erinnerungen irgendwann einfach verloren gehen.
Mittwoch, 28. Februar 2007
Seid fruchtbar und mehret euch
Zufällig habe ich gestern erfahren, dass eine Kollegin schwanger ist. Das hat mich umso mehr gefreut, als sie nämlich alleinstehend ist -- eine End-Dreissigerin, die sich nicht in die Kinderlosigkeit fügen will. Auch in diesem Bereich ist Israel nämlich entscheidend fortschrittlicher und toleranter als Deutschland. Meine Kollegin ist nicht die einzige in meinem Umfeld, die kurz vor Torschlusspanik nach Wegen aus der Krise sucht, und die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung, oder IVF, besteht hier auch für alleinstehende Frauen oder lesbische Paare.
Dass IVF in Israel so verbreitet ist, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass künstliche Befruchtung von der jüdischen Gesetzgebung befürwortet wird, zumindest für verheiratet Paare. So schreibt Miryam Z. Wahrman in ihrem Artikel "Assisted Reproduction and Judaism":
It is generally agreed by rabbinic authorities that IVF and related techniques are acceptable for Jewish couples when the husband's sperm and the wife's eggs are used.
In Israel hat jede Frau, ganz gleich ob verheiratet oder nicht, das Recht auf zwei durch IVF-gezeugte Kinder. Israel hat die höchste IVF-Rate der Welt. Drei Faktoren erklären, warum Israel IVF so gezielt fördert und subventioniert: die jüdische Ideologie, viele Kinder zu zeugen, das Holocaust-Erbe und die politische/demographische Situation. Die jüdische Geburtenrate liegt bei 2,7 Prozent (Lila berichtet von 2,2 -- wie kommt diese Diskrepanz zustande?), die muslimische jedoch bei 4!
Natürlich sind ethische Aspekte in die Frage, ob Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare Kinder haben sollten, involviert. Und welche Implikationen es hat, wenn Kinder in solchen Konstellationen aufwachsen, ist auch eine andere Diskussion. Ich stelle es mir schon schwierig vor, meinem Kind erklären zu müssen, dass sein Vater ein anonymer Samenspender war. Und ich kann mir vorstellen, dass Kinder mit zwei Vätern oder zwei Müttern nicht selten in der Schule gehänselt werden.
Generell jedoch gefällt mir das Recht auf Selbstbestimmung in diesem Land und die Horizonte, die sich dadurch vielen Menschen öffnen. (Auch Belgien und Holland sind in diesem Punkt übrigens sehr fortschrtittlich.) Meine Kollegin strahlt förmlich und geniesst die Schwangerschaft. Eine ehemalige Kollegin ist inzwischen schon seit knapp zehn Monaten Mutter. Und ein lesbisches Paar, das ich kenne, hat bereits zwei Kinder dank moderner Technologie. Und alle lieben ihre (Wunsch-)Kinder. Kann das schlecht sein?
Dienstag, 20. Februar 2007
Altwerden
Wenn ich meine Grosseltern am Telefon frage, wie es ihnen geht, bekomme ich inzwischen nur noch zur Antwort: "Ach, wir wollen nicht klagen. Besser wird es wohl nicht mehr." Es sind die kleinen Gebrechen, die den Alltag mehr und mehr einschränken und die einfachsten Dinge plötzlich kompliziert erscheinen lassen.
Meine andere Oma liegt seit über einer Woche im Krankenhaus: fehlende Verdauung, Untersuchung, festgestellter Leistenbruch, Operation, und nun muss sie sich erholen. Sie wird im April 89, hat einen klaren Kopf und einen kleinen, zerbrechlich wirkenden Körper. Jedenfalls bis zur Operation.
Ein paar Tage danach das Phänomen: Sie weiss nicht, ob sie zu Hause oder im Krankenhaus ist, erkennt alte Bekannte nicht, hat scheinbar keine Erinnerung daran, dass sie seit über 20 Jahren nicht mehr in der Hühlstrasse, sondern in der Roncallistrasse wohnt. Das alles aus heiterem Himmel. Laut Arzt kein wirklicher Grund zur Sorge, das passiere bei älteren Patienten oft nach einer OP. Dennoch -- plötzlich ist sie ein Pflegefall, der nicht gepflegt werden will. Nie wollte sie ihr Haus verlassen. Zu meinen Eltern zu ziehen oder zumindest in deren nähere Umgebung stand nie zur Debatte. Wie wird sie es also verkraften, wenn sie Anfang nächster Woche in die Kurzzeitpflege kommt?
Als einzige Tochter liegt alle Last (und alles Leid) auf den Schultern meiner Mutter. Das ist nicht einfach. Keiner weiss, ob meine Oma in absehbarer Zeit nach Hause zurückkehren kann. In dieses grosse Hause in der Roncallistrasse mit den vielen leeren Zimmern.
In solchen Zeiten ist es schwer, tausende von Kilometern entfernt zu sein und kaum etwas tun zu können. Nur zuhören. Vielleicht Rat geben. Und nachsinnen über das Leben.
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
-- Hermann Hesse, 4.5.1941 --
(geklaut bei der Gemeinschaft der Morgenlandfahrer)
Montag, 19. Februar 2007
Entscheidungsräume
Wir zerbrechen uns den Kopf, haben schon Listen gemacht mit Für- und Wider-Argumenten. Gestern hat Shai sich ausserdem mit einem Karriere-Coach getroffen, um Hilfestellung zu bekommen. Meiner Familie gegenüber (ihr lest ja hier eh nicht mit!) habe ich von D noch nichts erwähnt, damit sie nicht enttäuscht sind, falls es nicht klappt oder wir uns anders entscheiden.
Ich selber bin natürlich völlig zerrissen.
D wäre eine nette Fortsetzung unseres Lebens hier. Es würde unsere hiesige Routine durchbrechen, aber auch Dinge fortsetzen oder vertiefen, die wir hier begonnen haben, aber nicht genug verfolgen konnten. Shais Deutsch beispielsweise, oder Yairs Sprachentwicklung im Deutschen, oder die Beziehung zu meiner Familie und zur deutschen Kultur. Ausserdem hätte ich die Möglichkeit zu arbeiten, ohne unbedingt zu müssen, und finanziell wäre der Schritt sehr gut vertretbar. Nur karrieremässig brächte er Shai nicht allzu sehr voran.
USA dagegen bedeutet, aus allem gewohnten auszubrechen. Ich hätte vermutlich keine Arbeitserlaubnis, Shai würde wieder studieren gehen, wir müssten einen Kredit für die Finanzierung aufnehmen, unser Lebensniveau für zwei Jahre reduzieren -- willkommen zurück im Studentenleben. Hätten wir nur Familie in einem Land statt in zwei Kontinenten, wäre das Problem vermutlich kleiner. Sprächen wir zu Hause nur eine Sprache statt zwei. Aber so? Shai tendiert gefühlsmäßig zu diesem Schritt -- MBA in den USA ist nun mal sein Traum. Rational jedoch ist er viel schwerer vertretbar, weil wir als Familie nun mal mit dranhängen. Hat der den Zug verpasst?
Ich weiss einfach nicht, was ich für mich möchte. D wäre nett, für begrenzte Zeit. Aber USA könnte mehr Impulse bringen. Jeden Abend reden wir uns die Köpfe heiss, diskutieren weit über die normale Zu-Bett-Geh-Zeit hinaus. Tendieren mal hierhin, mal dorthin. Eins jedenfalls ist sicher: Egal, wohin wir gehen -- ich werde mir ein bisschen mehr Zeit für Yair gönnen. Eine Auszeit nehmen. Und darauf freue ich mich.
Donnerstag, 1. Februar 2007
Deutschland, deine Türken
Der zweite Text ist ein Beitrag von ZEIT-Blogger Jörg Lau über die Tatsache, dass der Türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk seine seit langem geplante Leserreise in Deutschland wegen Morddrohungen abgesagt hat. Deutschland als Hochburg für Extremisten? Spätestens seit den Anschlägen des 11. September ist das nichts Neues mehr. Beängstigend.
Donnerstag, 25. Januar 2007
Was wäre wenn...
Ich habe bisher immer gesagt, dass ich Angst habe zurückzugehen, weil ich weiss, dass es nur vorübergehend sein wird. Denn wir sind uns einig, dass unsere Basis hier in Israel ist. Angst davor, wieder gehen zu müssen, nachdem man sich gerade erneut eingewöhnt hat. Wieder Abschied nehmen zu müssen. Aber auch ein bisschen Angst davor, wie es sein wird, als Jude in D zu leben. Wie es sein wird, dort Kinder aufzuziehen, nachdem man hier so verwöhnt worden ist. Unsere Moshav ist das reinste Paradies für Yair. Aber vielleicht gibt es ja ebenso viele Gegenargumente, oder Argumente, die diese Gründe entkräften. Ich muss da mal ein bisschen drüber nachdenken.
Mittwoch, 24. Januar 2007
Sprachwelten
Blogger and Blog*Spot are unavailable right now. We apologize for this interruption in service.
Details
Blogger is undergoing unscheduled maintenance this morning. We hope to resume service shortly.
Ein paar Minute später dann diese Erfolgsmeldung:
Server Error
The server encountered a temporary error and could not complete your request.
Please try again in 30 seconds.
Wunderbar. Dann texte ich jetzt also erstmal offline. Heute hat Safta Hana Yairi vom Kindergarten abgeholt, wie sie das jetzt eigentlich recht regelmässig einmal pro Woche macht. Yair geniesst es uneingeschränkt und lässt sich, wenn ich ihn dann abhole, kaum überreden, seine Jacke anzuziehen. Und ich kann so etwas länger
arbeiten, ein paar Stunden vor oder nachholen, damit ich im Durchschnitt meine Minimum-45-Stunden-Woche einhalten kann (das muss ich manchmal einfach betonen, weil in Deutschland doch so gerne über die Rückkehr der 40-Stunden-Woche geklagt wird). Na ja, ursprünglich hatte ich vor, mir an solchen Tagen mal zwei oder drei Stunden etwas Gutes zu tun – Einkaufen vielleicht oder Fitnessstudio, das ich kaum noch von Innen kenne -, aber dieser Traum hat sich schnell zerschlagen.
Heute jedenfalls war halb Arbeit, halb Vergnügen angesagt; es stand mal wieder ein STC-Ereignis an. Diesmal hat Lisa, meine ehemalige Kollegin, vorgetragen, über „Content Models and How You Make Them Work for You.“ Dabei ist mir wieder einmal bewusst geworden, mit welcher Leichtigkeit ich mich inzwischen zwischen den Sprachen hin und her bewege. Und jeder Bereich ist klar abgegrenzt. Zu Hause sprechen wir eigentlich Hebräisch, manchmal Deutsch (mit Yair natürlich immer!), ganz selten noch Englisch, wenn ich mal wieder zu müde bin oder mein Hebräisch an seine Grenzen stösst. Bei der Arbeit reden wir technischen Redakteure Englisch untereinander, aber mit dem Rest der Kollegen Hebräisch. Das hätte ich mir früher nie träumen lassen.
Wenn ich daran denke, wie schwer ich mich hier anfangs getan habe. Ich erinnere mich auch noch wie gestern an jenen Tag an der Uni, kurz vor meinem Auslandssemester in den USA, als Professor Frese mir nach einem Auswahlgespräch auf den Rücken klopfte und sagte, „Mädchen, an ihrem Englisch müssen Sie aber noch etwas tun.“ Junge, das war mir aber ein Ansporn! Heute sind Kollegen in meinem Bereich erstaunt, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Und Israelis wundern sich über meinen fehlenden Akzent. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz. Das gebe ich gerne zu. :-)
Was Sprache für mich bedeutet und wie sich diese Bedeutung für mich im Laufe der letzten Jahre verändert hat, darüber sinne ich ein anderes Mal nach... Als ich hierher kam, war die Deutsche Sprache jedenfalls das Stückchen Heimat, das ich in mir trug. Ein bisschen zu Hause, das mir blieb, obwohl ich hier mit niemandem Deutsch reden konnte. Aber bevor ich mich jetzt in diesem Gedankengang verliere, höre ich lieber auf. Das ist ein Post für sich.
Montag, 22. Januar 2007
Politische Verantwortung
Aber Tatsache ist, dass ich mich bei solchen Antworten immer unwohl gefühlt habe, mich auch noch immer und in zunehmendem Masse unwohl fühle. Denn eigentlich hat diese Haltung dazu geführt, dass ich mich von den politischen Nachrichten abgewandt habe. Unbewusst jedenfalls, aber das ist mir erst in letzter Zeit wirklich bewusst geworden. Wenn im Auto auf dem Weg zur Arbeit die Nachrichten beginnen, schalte ich schon nach wenigen Sekunden automatisch gedanklich ab, selbst wenn ich mir kurz vorher geschworen habe zuzuhören. Und das ist eigentlich längst kein Sprachproblem mehr. Wenn ich höre, dass ein zweijähriges Mädchen, das am Vortag von einem Küchenschrank begraben worden ist, in der Nacht im Krankenhaus gestorben ist, dann horche ich auf. Dann möchte ich auf der Stelle weinen und mein Gesicht in den Händen vergraben. Aber wenn Politik geredet wird, dann kommt das bei mir irgendwie nicht mehr an. Mir kommt also nicht nur die deutsche Rechtschreibung abhanden, sondern auch die politische Verantwortung. Und damit fühle ich mich schlecht. Denn im Grunde ist es ja so, dass ich gar nicht mehr mitdiskutieren kann, weil mir einfach zu viel Hintergrund fehlt. Das ist eigentlich unentschuldbar in einem Land wie diesem, in dem man doch nicht umhin kommt, Stellung zu beziehn. Und so ermahne ich mich und nehme mir vor, diese Situation zu ändern. Das braucht natürlich Zeit und Konsequenz, aber die muss ich einfach aufbringen.
Sonntag, 31. Dezember 2006
Vom Weggehen und Ankommen
Yair hat die Zeit bei Oma und Opa in vollen Zügen genossen. Er ist tagelang glücklich in dem Wissen umhergewirbelt, dass jeder im Haus ihn sehr lieb hat. Vor meinen Grosseltern hat er sich merkwürdigerweise anfangs gefürchtet. Das muss eine Generationensache sein, denn schon im Flugzeug hatte er Angst vor zwei älteren Herren, die hinter uns sassen und mit ihm schäkern wollten. Da rief er laut: "Ima, lo roze!" (Mama, will nicht!) und fing an zu weinen. Aber am letzten Abend beim Einschlafen murmelte er dann zufrieden vor sich hin (auf Deutsch!): "Uroma. Uroma. Uroma! Plätzchen. Kuchen. Plätzchen. Rosinen." Und er verteilte sogar freiwillig Küsschen an alle beim Abschied.
Für mich war es wie immer. Die ersten Tage habe ich uneingeschränkt genossen, aber dann machte mir der Gedanke an den baldigen Abschied schon wieder das Herz ganz schwer. Am letzten Tag dann habe ich mich an den letzten Lichtblicken festgehalten. Noch ein gemeinsames Kaffeetrinken. Noch ein Abendessen. Zusammensitzen vorm Kamin. Ein letztes Glas dieses leckeren Südafrikanischen Cabernet Sauvignons. Ein letzter Wallander-Krimi. Gemeinsame Fahrt zum Flughafen. Eine Tasse überteuerten Flughafen-Kaffees. Und dann keine Ausflüchte mehr, kein Klammern: wir müssen die Treppe hoch, durch die verschärfte Handgepäckkontrolle, uns auf den Weg zum Gate machen. Diesmal ohne sichtbare Tränen; die fallen nur tief innen, ich kann sie gerade noch aufhalten. Es hilft ja nichts. Diese Leben habe ich mir selber ausgesucht.
Jetzt also bin ich wieder angekommen, irgendwie zu Hause, aber nie so ganz. Wenn ich hier bin, ist immer ein Teil dort. Wenn ich dort bin, möchte immer ein Teil wieder zurück. So zerrissen werde ich bleiben, da komme ich nicht mehr raus. Aber eigentlich arrangiere ich mich damit ganz gut. Im grossen und ganzen jedenfalls. Und vielleicht kommen meine Eltern über Ostern.
Übrigens legen Yair und ich jetzt häufig Frederik Vahle's "Der Spatz" auf. Uns ich das Lied vom kleinen Trampeltier so richtig ins Ohr gegangen. Und Nenas Kinderlieder-CD steht auch hoch im Kurs. Beides Geschenke meines lieben Schwesterchens.
Ich habe auch eine Menge Bücher mit zurück gebracht. Jetzt muss ich nur noch Musse finden...
Ach ja, und heute ist Neujahr -- wie konnte ich das nur vergessen. Ein glückliches 2007 uns allen, mit hoffentlich viel Ruhe und Frieden!