Mittwoch, 28. Februar 2007

Seid fruchtbar und mehret euch

Nachdem ich mich jetzt durch die gesamte Diskussion um Lilas letzten Beitrag gelesen habe, muss ich hier auch mal meinen Senf dazugeben...

Zufällig habe ich gestern erfahren, dass eine Kollegin schwanger ist. Das hat mich umso mehr gefreut, als sie nämlich alleinstehend ist -- eine End-Dreissigerin, die sich nicht in die Kinderlosigkeit fügen will. Auch in diesem Bereich ist Israel nämlich entscheidend fortschrittlicher und toleranter als Deutschland. Meine Kollegin ist nicht die einzige in meinem Umfeld, die kurz vor Torschlusspanik nach Wegen aus der Krise sucht, und die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung, oder IVF, besteht hier auch für alleinstehende Frauen oder lesbische Paare.

Dass IVF in Israel so verbreitet ist, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass künstliche Befruchtung von der jüdischen Gesetzgebung befürwortet wird, zumindest für verheiratet Paare. So schreibt Miryam Z. Wahrman in ihrem Artikel "Assisted Reproduction and Judaism":

It is generally agreed by rabbinic authorities that IVF and related techniques are acceptable for Jewish couples when the husband's sperm and the wife's eggs are used.

In Israel hat jede Frau, ganz gleich ob verheiratet oder nicht, das Recht auf zwei durch IVF-gezeugte Kinder. Israel hat die höchste IVF-Rate der Welt. Drei Faktoren erklären, warum Israel IVF so gezielt fördert und subventioniert: die jüdische Ideologie, viele Kinder zu zeugen, das Holocaust-Erbe und die politische/demographische Situation. Die jüdische Geburtenrate liegt bei 2,7 Prozent (Lila berichtet von 2,2 -- wie kommt diese Diskrepanz zustande?), die muslimische jedoch bei 4!

Natürlich sind ethische Aspekte in die Frage, ob Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare Kinder haben sollten, involviert. Und welche Implikationen es hat, wenn Kinder in solchen Konstellationen aufwachsen, ist auch eine andere Diskussion. Ich stelle es mir schon schwierig vor, meinem Kind erklären zu müssen, dass sein Vater ein anonymer Samenspender war. Und ich kann mir vorstellen, dass Kinder mit zwei Vätern oder zwei Müttern nicht selten in der Schule gehänselt werden.

Generell jedoch gefällt mir das Recht auf Selbstbestimmung in diesem Land und die Horizonte, die sich dadurch vielen Menschen öffnen. (Auch Belgien und Holland sind in diesem Punkt übrigens sehr fortschrtittlich.) Meine Kollegin strahlt förmlich und geniesst die Schwangerschaft. Eine ehemalige Kollegin ist inzwischen schon seit knapp zehn Monaten Mutter. Und ein lesbisches Paar, das ich kenne, hat bereits zwei Kinder dank moderner Technologie. Und alle lieben ihre (Wunsch-)Kinder. Kann das schlecht sein?

Wichteln

Purim steht vor der Tür, und genau wie Lila bin ich doch eigentlich froh, dem Karnevalswirbel in Deutschland mit meiner Übersiedlung nach Israel entronnen zu sein. Jedes Jahr fürchte ich, dass meine Firma wieder irgendeinen blöden Kostümwettbewerb anzettelt. Dieses Jahr (neuer Job, neues Glück) haben fast alle dagegen gestimmt.

Dafür werden wir Wichteln, in Anlehnung an Mishloah Manot, das Versenden von Gaben an Bedürftige zu Purim. Überall im Büro hängen zur Zeit Bilder von kleinen Zwergen und Gnomen, die uns an das herrannahende Ereignis erinnern sollen. Ist es nicht interessant, dass auch im Hebräischen die Assoziation zu diesen kleinen Wesen existiert? Das Spielchen nennt sich hier "Gamadim weAnakim" (Zwerge/Wichtel -- im Hebräischen scheint es da keine semantischen Unterschiede zu geben; "gamad" bezeichnet alles Kleinwüchsige, sprich Zwerge, Wichtel, Gnome, Liliputaner und was es sonst noch so gibt -- und Riesen).

Yair, letztes Jahr ein kleiner Drache, an den er vermutlich keine Erinnerung hat, hat sich dieses Jahr ein Pooh-Bär-Kostüm ausgesucht. Trotzdem erzählt er ständig, dass er sich als Schmetterling verkleiden will. Es wird wohl doch Pooh werden, denn die Verkleidung hängt ja nun mal schon im Schrank.

Fürs Wochenende werde ich dann vermutlich auch endlich mal Annekas Hamantaschenrezept ausprobieren. Mein Mann ist da allerdings streng konservativ und mag nur die mit Mohnfüllung.

Dienstag, 27. Februar 2007

Kosenamen

... möchte Susan (oder Susi oder Suzy?) gerne wissen. Da muss ich jetzt mal kurz überlegen, denn eigentlich ist Yair mein Spatz oder Spatzi. Konservativ, aber das kam mir irgendwie als erstes über die Lippen. Wenn er Mist macht, ist er halt manchmal ein Rackerbass. Mein Mann nennt ihn dubi (Teddy), chamudi (Süsser), kushkush oder kuki (da hab ich leider keine Übersetzung für -- Kosenamen eben).
So ausgefallen und kreativ sind wir also nicht in unserer Wahl. Mal sehen, was Anneka, das kleine brüllen und Karin dazu sagen.

Montag, 26. Februar 2007

Anstrengend

Es muss ein Versehen gewesen sein, so hoffe ich jedenfalls, dass mein Mann gestern ein anderes Kind im Kindergarten abgeliefert hat. Eines, das nicht auf seinem Stuhl sitzen wollte, das Essen zermatschte, den Tee verschüttete, Spielzeug durch die Gegend warf und überhaupt äusserst ungezogen war. Eines, das weder die Kindergärtnerin noch die anderen Kinder kannten. Das sich aufführte wie ein Wilder.

Ich vermute, es war wieder der böse Junge schuld, der hin und wieder in Yairs Bauch Schabernack treibt und ihn zu allen möglichen Schandtaten anstiftet. Denn zu Hause ging das Theater weiter und gipfelte in einer wunderbaren Zu-Bett-Geh Inszenierung, bei der kräftig die Lungen trainiert wurden und die sowohl dem Kind als auch den beiden Eltern die letzte Kraft raubte. Selbst den Tränen nahe, bin ich anschliessend die Treppe heruntergewankt und habe mich auf dem Sofa an meine Tasse Tee geklammert. Zu mehr war ich nicht mehr fähig.

Das ist also die Trotzphase oder vielmehr der Anfang derselben. "The terrible two" trifft es ja so viel besser. "Willst du ihn umtauschen?" fragte mein Mann mit einem Blick in mein müdes Gesicht. Nein, also das dann doch nicht. Um nichts in der Welt. Da lege ich mir lieber ein dickes Fell und eine bessere Strategie zu. Wir werden diese Phase schon meistern. Aber hoffentlich mit weniger Tränen als gestern.

Überrascht

... bin ich nicht:

You Should Be a Poet

You have a way with words... and a talent for drawing the pure emotions out of experiences. Your poetry has the potential to make people laugh and cry at the same time. You just need to write it!


Gefunden bei Anneka. Und ich stimme vollkommen mit ihr darin überein, dass diese Spielchen mich irgendwie doch ein bisschen erfassen. Merkwürdig, oder?

Hier also noch eins:

Your Birthdate: July 19

You don't just believe in love at first site - you've experienced it.
You develop crushes pretty easily, but keeping your interest is another matter!
You are very prone to love - hate relationships.
Number of True Loves You'll Have: 1
Number of Times You'll Have Your Heart Broken: 1
You are most compatible with people born on the 1st, 10th, 19th, and 28th of the month.

Sonntag, 25. Februar 2007

Vorsicht Verkehr

Bine verdient heute einen extra Link. Das muss man einfach gelesen haben. Genau so läuft es hier im Strassenverkehr wirklich ab! Ich jedenfalls habe Tränen gelacht...

Alles Bamba

Kein Bamba, hatte ich mir geschworen. Und dabei ein wenig herablassend auf all die israelischen Mütter geschaut, die Erdnussflips an ihre Babys verfüttern, sobald diese anfangen, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Weil es ja so schön auf der Zunge zergeht und dann diesen wunderbaren Geschmack nach Erdnussbutter hinterlässt. Schliesslich ist es sogar mit Vitaminen angereichert, was könnte also schlimm daran sein? Aber nicht für meinen Sohn!


Doch weit gefehlt. Zu Beginn klappte alles prima. Im Supermarkt liess ich Bamba links liegen und schaufelte stattdessen gesunde Alternativen in den Einkaufswagen. Gemüse. Obst. Brot (in der Zeit vor unserem Brotbackautomat). Das nahm ich dann in mundgerechten Häppchen mit auf den Spielplatz. Doch sobald Yair krabbeln konnte und nicht mehr brav in meiner Nähe blieb, verlor ich die Kontrolle. Und zwar so schnell, dass ich mir einen Bamba-Vorrat anschaffen musste, damit Yair nicht schnurstracks zu anderen Müttern betteln ging.

Das waren die Sommermonate. Inzwischen hat sich die Bamba-Euphorie ein wenig gelegt. Winter schafft Abstand. Es ist sogar schon vorgekommen, dass ich Bamba aufgrund des überschrittenen Verfallsdatums entsorgen musste (wirklich wahr!). Doch der Frühling steht vor der Tür, ich sollte mich also nicht zu früh freuen. Schon gehen wir wieder fast regelmässig auf den Spielplatz -- und Bamba ist immer im Gepäck, damit ich nicht als herzlose Rabenmutter dastehe. So beugt man sich dem Druck der Gesellschaft. Zu Hause jedoch bleibt Bamba dort, wo es meiner Meinung nach hingehört: im Schrank.

Übrigens gibt es aus süsses Bamba, das allerdings bei weitem nicht so hoch im Kurs steht. Es ist schreiend rot und schmeckt nach Erdbeere. Habe ich mir sagen lassen. Ich selbst konnte mich noch nicht überwinden, den Geschmackstest zu machen.

Mein Trost ist, dass es anderen Müttern auch so geht...

Nachtrag: Seit Yair im Kindergarten ist, ist ihm übrigens auch die Puppe aus der Bamba-Werbung sehr ans Herz gewachsen. Die wird jetzt immer im Puppenwagen spazieren gefahren.

Samstag, 24. Februar 2007

Kino, Cholent und Chamssin

Das Wochenende war warm und staubig. Die Sonne stand wie ein bleicher Mond am Himmel, hinter einem schleier aus Dunst halb verborgen. Das waren die ersten Chamssin Tage dieses Jahres. Heute soll der Regen kommen und die Luft reinwaschen. Anfangs wird er jedoch alles mit einer feinen Schlammschicht bedecken.

Gestern hatte Shais Oma uns zum grossen Cholent-Essen (auch Chamin genannt) eingeladen, das eigentlich jedes Jahr an Tu BeSchwat stattfindet, weil sie dann ihren Geburtstag feiert (das genaue Datum weiss sie nicht, weil sie keine Geburtsurkunde hat, und niemand ist sich ganz sicher, wie alt sie denn nun eingentlich wirklich ist, einschliesslich sie selbst). Es war jedenfalls sehr lecker, sehr persisch wie immer, denn sie kann es nie lassen, auch gleich noch hundert andere Dinge auf den Tisch zu bringen. So rollen wir uns dann anschliessend immer die Treppe hinunter und halten unsere Bäuche. Sogar Yair hat ordentlich gegessen, Reis mit Rosinen (natürlich mehr Rosninen als Reis, denn die liebt er ja über alles), Hühnchen, ein braunes Cholent-Ei, und zum Nachtisch jede Menge Erdbeeren, denn es ist ja wieder Erdbeerzeit. An Freitagen stehen jetzt an allen Ecken und jeder Bushaltestelle die Erdbeerverkäufer. In unserer Moshav gibt es ein riesiges Erdbeerfeld, das ganz toll duftet, wenn man daran vorbei geht.

Am Freitag haben wir uns den deutschen, für den Oksar nominierten Film "Das Leben der anderen" angeschaut. Brilliant. Sehr intensiv und realistisch. Richtig beklemmend. Eine gelungene Darstellung des Stasi-Apparats. Mir jedenfalls gingen die zwei Stunden so richtig unter die Haut, und ich war ganz erschüttert, als wir das Kino verliessen. Dieser Film ist ein krasser Gegensatz zu der genialen Komödie "Good-bye Lenin". Es ist erstaunlich, wie beide Filme es schaffen, das Regime aus völlig anderen Blickwinkeln zu beleuchten, sich zwei völlig unterschiedlicher Genres bedienend. Auch bemerkenswert: der Kino-Saal war voll, wir haben gerade noch die letzten beiden Plätze in der letzten Reihe ergattern können.

Freitag, 23. Februar 2007

Strahlemann

... war unser Sohn heute morgen. Und aufgeregt! Erst habe ich ihn gegen 9:00 wie immer im Kindergarten abgeliefert, und um 10:00 sind wir dann als Delegation angerückt: Mama, Papa, Saba, Savta und Ruti, mit Kuchen, Knabbersachen und Kinderüberraschung im Gepäck. Auf seinem Geburtstagsstuhl hat Yair sich vor Aufregung gleich seine ganze Hand in den Mund gestopft, weil er nicht wusste, wohin damit.

Yairs Geburtstagstorte 2007 Hoch soll er leben!

Die übrigen 15 Kinder haben ihm Geburtstagslieder gesungen, sich dann um seinen Stuhl gescharrt und versucht, ihn darauf hochzuheben. Sie haben getanzt und gefeiert und dann ungeduldig auf die Kerzen und den Kuchen gewartet.

Yair mit Racheli Yair mit Mama

Yair durfte die beiden Kerzen sogar alleine anzünden, und ausgeblasen hat er sie dann wie ein Profi. "Ima hevia li uga!!!" (Mama hat mir einen Kuchen gebracht!) rief er immer wieder ganz laut und umarmte mich heftig. So ein strahlen in seinen Augen habe ich selten gesehen!

Nächster Programmpunkt: Alle Kinder sitzen um den Tisch, warten auf ihren Teller mit Kuchen und Bamba (Erdnussflips -- deren Stellenwert bei der Kindererziehung in Israel verlangt eigentlich einen eigenen Eintrag!) und machen sich dann gesittet darüber her. Nur unser Spatzi nicht. Der produziert lieber Bambastaub auf seinem Teller, indem er mit beiden Händen alles fein säuberlich zerdrückt. Woher er das wohl hat?

Zum guten Schluss hat er dann die Überraschungen an alle Kinder verteilt -- kleine Dosen mit Knete und Kinderschokolade. Dann ging es völlig verschmiert raus auf den Spielplatz zum toben.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Knurrig

Ich habe mich gerade geärgert. Da schleppe ich Yair zum Einkaufen, wurschtel mit ihm in der Küche rum, sobald wir nach Hause kommen, um ihm für seine Geburtstagsfeier im Kindergarten morgen einen zauberhaften Kuchen zu fertigen (ein Piratenschiff -- Fotos gibt's morgen) und die Tütchen für seine 15 kleinen Gruppenkameraden zu arrangieren. Zwischendrin kommt mein Männe nach Hause, spielt ein bisschen mit Yair, bereitet ihm sogar das Abendessen und badet ihn, aber ins Bett bringe ich ihn ja dann, und das erst um neun, und irgendwie ist er nicht müde und wälzt sich mit offenen Augen im Bett rum und findet keinen Schlaf, aber ich darf mich nicht entfernen, "Ima! Iiima!" ruft er immer, wenn ich mich mal aufsetze, und sofort beuge ich mich wieder zu ihm und er schlingt seine Ärmchen um meinen Hals und hält mich ganz fest, aber ich bin unruhig, ich muss noch einiges zu Ende bringen heute Abend, will endlich runter gehen, doch es dauert eine geschlagene Stunde, bis es endlich ruhig wird im Zimmer und das süsse Atmen gleichmässig vom Schlaf. Sofort schleiche ich mich fort, die Treppe hinunter, rödel weiter in der Küche, dekoriere den Kuchen, spüle, räume auf. Wie gerne würde ich schon auf dem Sofa neben meinem grossen Schatz sitzen und den Tee trinken, der in der Kanne auf dem Stövchen auf mich wartet, aber noch bin ich nicht soweit. Kann schon sein, dass meine Aura geladen ist und ein paar Fünkchen fliegen, denn ich bin müde und möchte mich ausruhen. Doch als ich es endlich tue, fliegt ein kränkender Satz in meine Richtung, und statt den soeben eingeschütteten Tee zu trinken, lasse ich ihn stehen und stürze nach oben. Nichts sehen und hören, nur wütend und alleine sein und vielleicht ein bisschen bloggen oder lesen. Schon geht es mir besser, ich werde wieder ganz zahm, möchte jetzt eigentlich doch meinen Tee trinken, aber sollte vermutlich einfach ins Bett gehen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Morgen soll die Sonne scheinen. Chamssin ist gemeldet. Da werde ich ein bisschen Frühling schnuppern.

Mittwoch, 21. Februar 2007

Bananenmafia

Jetzt werden die Abende langsam wieder länger, und nach der Arbeit sieht man an schönen Tagen wie heute die Mütter eiligen Fusses mit ihren Kindern auf den Spielplatz stürmen. So auch mich (und Yair, ganz stolz auf seinem neuen Dreirad).

Dort treffen wir gleich einige Kinder aus seinem Kindergarten. Ein kleiner Junge kommt auf Yair zu, während dieser genüsslich eine Banane mampfte, schaut ihn an und läuft dann weg. Yair dreht sich zu mir und sagt: "Ima, Guy mefached mi habanana sheli!" (Mama, Guy hat vor meiner Banane Angst!)

Herztorte

Für Bine und Timo (kannst du dir nicht auch einen Blog zulegen, damit ich dich schön verlinken kann?) -- hier ist endlich das Rezept für die Valentinstorte, die ich meinem Schatz letzte Woche gezaubert habe.

Zutaten für 1 Springform (24 cm Durchmesser)
Für die Schokosahne:
150 g Sahne
100 g weiße Schokolade
Für den Teig:
50 g Sahne
100 g weiße Schokolade
90 g Butter
6 Eier
150 g Zucker
150 g Mehl
Für die Deko:
eine grosse Schachtel Schokoherzen (ich habe die von Elite genommen, in D hätte ich wohl Milka Herzen verwendet), eine dünne feine Schokolade (z.B. von Lindt)
  1. Die Sahne in einem kleinen Topf erhitzen. Die Schokolade in Stücke brechen und unter Rühren in der Sahne schmelzen. Achtung: Die Sahne soll nur warm sein und darf keinesfalls kochen! Die Schokosahne in einen Rührbecher gießen und für mindestens 2 Std. in den Kühlschrank stellen.
  2. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Springform einfetten. Die Sahen für den Teig erwärmen und die Schokolade darin schmelzen. Die Butter in einem kleinen Topf zerlassen.
  3. Eier trennen. Eiweiße steif schlagen. Eigelbe mit dem Zucker und der Butter schaumig schlagen. Die geschmolzene Schokolade unterrühren. Mehl nur kurz untermischen. Den Teig in die Springform füllen und im Ofen (Mitte, Umluft 160 Grad) 40-45 Min. backen. Abkühlen lassen.
  4. Schokosahne schaumig schlagen. Kuchen umdrehen, sodass die gewölbte Seite unten ist, mit der Schokosahne bestreichen. Torte üppig mit Schokoherzen verzieren.

Dieses Rezept habe ich mit leichten Abwandlungen dem grossen GU Familienbackbuch entnommen.

Lasst es euch schmecken!

Dienstag, 20. Februar 2007

Altwerden

Manchmal denke ich, Altwerden ist das schlimmste aller Übel und mit Würde alt zu werden die grösste Herausforderung.

Wenn ich meine Grosseltern am Telefon frage, wie es ihnen geht, bekomme ich inzwischen nur noch zur Antwort: "Ach, wir wollen nicht klagen. Besser wird es wohl nicht mehr." Es sind die kleinen Gebrechen, die den Alltag mehr und mehr einschränken und die einfachsten Dinge plötzlich kompliziert erscheinen lassen.

Meine andere Oma liegt seit über einer Woche im Krankenhaus: fehlende Verdauung, Untersuchung, festgestellter Leistenbruch, Operation, und nun muss sie sich erholen. Sie wird im April 89, hat einen klaren Kopf und einen kleinen, zerbrechlich wirkenden Körper. Jedenfalls bis zur Operation.

Ein paar Tage danach das Phänomen: Sie weiss nicht, ob sie zu Hause oder im Krankenhaus ist, erkennt alte Bekannte nicht, hat scheinbar keine Erinnerung daran, dass sie seit über 20 Jahren nicht mehr in der Hühlstrasse, sondern in der Roncallistrasse wohnt. Das alles aus heiterem Himmel. Laut Arzt kein wirklicher Grund zur Sorge, das passiere bei älteren Patienten oft nach einer OP. Dennoch -- plötzlich ist sie ein Pflegefall, der nicht gepflegt werden will. Nie wollte sie ihr Haus verlassen. Zu meinen Eltern zu ziehen oder zumindest in deren nähere Umgebung stand nie zur Debatte. Wie wird sie es also verkraften, wenn sie Anfang nächster Woche in die Kurzzeitpflege kommt?

Als einzige Tochter liegt alle Last (und alles Leid) auf den Schultern meiner Mutter. Das ist nicht einfach. Keiner weiss, ob meine Oma in absehbarer Zeit nach Hause zurückkehren kann. In dieses grosse Hause in der Roncallistrasse mit den vielen leeren Zimmern.

In solchen Zeiten ist es schwer, tausende von Kilometern entfernt zu sein und kaum etwas tun zu können. Nur zuhören. Vielleicht Rat geben. Und nachsinnen über das Leben.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

-- Hermann Hesse, 4.5.1941 --

(geklaut bei der Gemeinschaft der Morgenlandfahrer)

Skye Frontier

Mein Chef bereitet sich übrigens inzwischen gezielt und intensiv auf sein Sabbat-Jahr in Indien vor (in 50 Tagen geht es los) und hat unter anderem einen Reise-Blog eingerichtet. Sollte man sich nicht entgehen lassen -- er ist ein talentierter Schreiber!

Montag, 19. Februar 2007

Entscheidungsräume

Uns steht eine schwere Entscheidung bevor. Von Shais letztem Versuch, seinen MBA doch noch in den USA zu machen, habe ich ja hin und wieder schon erzählt. Im Moment sieht es ganz gut aus, immerhin haben vier Schulen ihn interviewt. Die Antworten werden irgendwann im März eintrudeln. Wenn es also nur dies wäre, hätten wir kein Problem. Dann würden wir bei einer positiven Antwort wohl übersiedeln. Aber jetzt hat Shai auch ein konkretes Angebot, ein paar Jahre für seine Firma nach D zu gehen. Ich habe das hypothetisch im Januar schon mal kurz erwähnt. Was also tun? Welche Richtung einschlagen?

Wir zerbrechen uns den Kopf, haben schon Listen gemacht mit Für- und Wider-Argumenten. Gestern hat Shai sich ausserdem mit einem Karriere-Coach getroffen, um Hilfestellung zu bekommen. Meiner Familie gegenüber (ihr lest ja hier eh nicht mit!) habe ich von D noch nichts erwähnt, damit sie nicht enttäuscht sind, falls es nicht klappt oder wir uns anders entscheiden.

Ich selber bin natürlich völlig zerrissen.

D wäre eine nette Fortsetzung unseres Lebens hier. Es würde unsere hiesige Routine durchbrechen, aber auch Dinge fortsetzen oder vertiefen, die wir hier begonnen haben, aber nicht genug verfolgen konnten. Shais Deutsch beispielsweise, oder Yairs Sprachentwicklung im Deutschen, oder die Beziehung zu meiner Familie und zur deutschen Kultur. Ausserdem hätte ich die Möglichkeit zu arbeiten, ohne unbedingt zu müssen, und finanziell wäre der Schritt sehr gut vertretbar. Nur karrieremässig brächte er Shai nicht allzu sehr voran.

USA dagegen bedeutet, aus allem gewohnten auszubrechen. Ich hätte vermutlich keine Arbeitserlaubnis, Shai würde wieder studieren gehen, wir müssten einen Kredit für die Finanzierung aufnehmen, unser Lebensniveau für zwei Jahre reduzieren -- willkommen zurück im Studentenleben. Hätten wir nur Familie in einem Land statt in zwei Kontinenten, wäre das Problem vermutlich kleiner. Sprächen wir zu Hause nur eine Sprache statt zwei. Aber so? Shai tendiert gefühlsmäßig zu diesem Schritt -- MBA in den USA ist nun mal sein Traum. Rational jedoch ist er viel schwerer vertretbar, weil wir als Familie nun mal mit dranhängen. Hat der den Zug verpasst?

Ich weiss einfach nicht, was ich für mich möchte. D wäre nett, für begrenzte Zeit. Aber USA könnte mehr Impulse bringen. Jeden Abend reden wir uns die Köpfe heiss, diskutieren weit über die normale Zu-Bett-Geh-Zeit hinaus. Tendieren mal hierhin, mal dorthin. Eins jedenfalls ist sicher: Egal, wohin wir gehen -- ich werde mir ein bisschen mehr Zeit für Yair gönnen. Eine Auszeit nehmen. Und darauf freue ich mich.

Mamakind

Armer Spatzi. Immer will er seine Mama. Und nie ist sie da. Gestern haben wir nur knapp eine Stunde zusammen verbracht, nachdem ich ihn um 19:30 bei Savta Hana eingesammelt habe. Heute morgen bin ich wie immer früh davon geschlichen. Zwischenzeitlich, als ich aus der Dusche stieg, hörte ich ihn im elterlichen Schlafzimmer brüllen: "Ima!!!! Iiiiimaaaa!!!" Aber scheinbar konnte mein grosser Schatz ihn beruhigen. Och, da schmerzt das Mutterherz mal wieder. Wie gerne würde ich ein bisschen kürzer treten im Job.

In letzter Zeit, wenn er in Büchern oder auf Bildern ein Kind sieht, das weint oder traurig ausschaut, sagt er immer: "Ha jeled boche. Hu azuv. Hu roze et ima." (Der Junge weint. Er ist traurig. Er will die Mama.) Wenigstens weiss er sich auszudrücken mit seinen zwei Jahren (ja, er ist jetzt zwei!!!). Ich glaube, ich muss mir was einfallen lassen. Ist das normal, oder wird da ein Trauma draus? Sorgen mach ich mir irgendwie schon; auf die leichte Schulter nehmen will ich es nicht.

FREIzeit

Es ist nicht zu glauben. Meine Schwiegermutter holt Yair vom Kindergarten ab, und ich weiss nichts mit meiner Zeit anzufangen. Das ist wirklich lächerlich. Noch sitze ich bei der Arbeit, aber gleich werde ich mich auf den Weg machen -- und wohin? Vielleicht noch etwas einkaufen? Oder nach Hause, ein bisschen aufräumen? Oder lesen? So weit ist es schon gekommen, dass ich in panischer Hast versuche, mir einen Plan für die zwei, drei freien Stunden zurechtzulege und zu keinem Ergebnis komme. Ich will jede Minute nutzen, stattdessen vertrödel ich meine Zeit. Das liegt aber daran, dass es zu viel gibt, was ich gerne machen würde. Zu dumm. Geht es anderen Müttern auch so???

Sonntag, 18. Februar 2007

Geburtstagsbilanz

Jetzt bin ich irgendwie doch schon ziemlich müde, nachdem ich unsere Februarbilder, einschliesslich Geburtstagsfotos, endlich ins Netz gestellt und meine letzte Kolumne zugänglich gemacht habe.

Zur Feier gestern also nur so viel: Yair war ein kleiner Prinz, der sich königlich über seine Gäste und seine Geschenke gefreut, aber vor Aufregung kaum etwas gegessen hat. Nachmittags, als wir wieder alleine waren, ist er dann innerhalb weniger Minuten in einen tiefen Schlaf gefallen.


Er hat so viele tolle Dinge bekommen. Zwei wunderbare Bilderbücher von Oma und Opa, ein Comfy von Saba und Savta (das ist ein Keyboard für Kinder, das man an den PC anschliesst -- ich bin ja eigentlich auch nicht generell dafür, so früh und und und, aber alles, was Yairs Deutsch fördert, lasse ich ins Haus...), Puzzle von Bob the Builder, Dora und den Teletubbies, eine Werkzeugbank samt Lötbrille und Schutzhelm (den setzt er sich jetzt voller Begeisterung auf und ruft: "Ani Bob haBanai!" (Ich bin Bob the Builder!)), einen Bademantel, Farben für die Badewanne, ... und ein neues Dreirad. Reicht doch, oder? Damit ist er für das ganze Jahr eingedeckt. Mindestens.

Jetzt falle ich aber ins Bett.

Augen zu und durch

Heute ist einer dieser Tage. Kurz vorm Wecker wurde ich von Blitz und Donner geweckt. Grossartig, aber nicht weiter schlimm. Die Kopfschmerzen, die ich schon seit über einer Woche mit mir rumschleppe, waren allerdings auch noch da. Dann eben noch mal Advil schlucken (inzwischen sind sie verschwunden, die Schmerzen). Wenigstens konnte ich mich nach Duschen und Herrichten unbemerkt davonstehlen. Meine beiden Männer schliefen noch friedlich.

Draussen dann das nächste Übel: Die Mülltonne, durch unsere Geburtstagsfeier gestern ohnehin schon überquellend, hatte über Nacht Eigenleben entwickelt. Ich vermute, dass die Katzen mal wieder am Werk waren – nach Wind sah es mir nicht aus: die obere Mülltüte zerrissen, Plastikteller und –becher fein säuberlich in angemessenem Umkreis verstreut. Natürlich alles nass vom Regen. Ich habe schnell wieder alles eingesammelt und zurückgestopft, mir dann (Regen hat ja auch was Gutes) die Hände notdürftig in einer Pfütze gewaschen. Beim Gang zum Auto bin ich dann doch tatsächlich noch in den Hundehaufen getreten, vor dem ich mich selber vorher innerlich schon gewarnt hatte. Der war natürlich aufgrund der Witterung so richtig schön weich... Glück im Unglück: Schuhe ohne Profil und besagte Pfütze ganz nah.

Auf dem Weg zur Arbeit ist mir dann fast jemand ins Auto gedonnert. So ein schusseliger Sonntag-Morgen-Fahrer, der sich noch schnell über die Kreuzung schieben wollte und mich vermutlich entweder übersehen oder unterschätzt hat. Mit quietschenden Reifen kam ich gerade noch zum Stehen, mit der Rechten habe ich gleichzeitig die Hupe gedrückt – darin bin ich richtig gut geworden, seit ich hier in Israel lebe. Gefahr abgewendet, weitergefahren, als sei nichts gewesen. An der nächsten Kreuzung dann der Wochenanfangsstau bei Schlechtwetter. 7 Uhr ging schon nichts mehr. Statt 10 Minuten habe ich über 20 zur Arbeit gebraucht (ufff, wie froh ich bin, dass ich meinen Anfahrtsweg im Sommer verlegt habe!).

Endlich im Büro, nach zwei Krankheitstagen letzte Woche, lasse ich erstmal alles langsam angehen. Doch dann trifft das email des Produktmanagers ein – noch mehr Korrekturen unseres Vertragspartners (Oracle). Ich breche fast zusammen, möchte nur noch weglaufen. Aber dann wird die Tigerin in mir wild. Auf ein neues also. Euch werd ich’s schon zeigen!

Soviel für den Moment. Es ist ja erst Mittag. Eigentlich kann der Tag nur noch besser werden. Von Yairs Party gestern werde ich später berichten. Die war wunderbar.

Mittwoch, 14. Februar 2007

Erwischt

... hat es mich jetzt doch noch. Und das ausgerechnet an Yairs Geburtstag. So werde ich morgen meinen Tag zu Hause verbringen, mich ausruhend. Bis Samstag muss ich aber wieder fit sein, dann steigt die grosse Geburtstagsparty. Hier ist ein Bild von Yair, wie er friedlich in seinen grossen Tag hineinträumt:



Und hier eins von der Valentinstag-Überraschungstorte, die ich Kranke heute für meinen großen Schatz gebacken habe:


Yair war ganz aufgeregt, als wir sie vom Kühlschrank auf den Tisch getragen haben. Alles weisse Schokolade. Lecker wars.

Und jetzt geh ich schlafen...

Montag, 12. Februar 2007

Tarot

Gefunden bei Anneka. Ich habe aber gemogelt. Beim ersten mal kam dies heraus:


You are The Tower


Ambition, fighting, war, courage. Destruction, danger, fall, ruin.


The Tower represents war, destruction, but also spiritual renewal. Plans are disrupted. Your views and ideas will change as a result.


The Tower is a card about war, a war between the structures of lies and the lightning flash of truth. The Tower stands for "false concepts and institutions that we take for real." You have been shaken up; blinded by a shocking revelation. It sometimes takes that to see a truth that one refuses to see. Or to bring down beliefs that are so well constructed. What's most important to remember is that the tearing down of this structure, however painful, makes room for something new to be built.

Damit konnte ich mich aber eigentlich gar nicht identifizieren. Also habe ich meine Antworten überprüft und ein bisschen geändert. So bin ich zur Hohepriesterin geworden:


You are The High Priestess


Science, Wisdom, Knowledge, Education.


The High Priestess is the card of knowledge, instinctual, supernatural, secret knowledge. She holds scrolls of arcane information that she might, or might not reveal to you. The moon crown on her head as well as the crescent by her foot indicates her willingness to illuminate what you otherwise might not see, reveal the secrets you need to know. The High Priestess is also associated with the moon however and can also indicate change or fluxuation, particularily when it comes to your moods.


What Tarot Card are You?
Take the Test to Find Out.


Diese Karte kommt mir schon ein bisschen näher. Ob was dran ist? Ich verstehe ja nichts von Tarot.

Jetzt sitze ich hier

... und geniesse den Tag. Kein Stress heute. Alles wunderbar. Die Nase noch verschnupft, der Husten noch nicht abgeklungen, der Kopf noch ein bisschen dröhnend -- aber kein Stress. Und wie sagte mein Chef gestern, als ich mich auf den Weg nach Hause machte: "You did it! Congratulations! Tomorrow -- search the internet!" Heisst also: heute habe ich Freilauf. Und den werde ich geniessen. Natürlich muss ich auch ein bisschen was tun, aber langsam und gemächlich. Kein Dauerlauf ohne Mittagspause wie gestern.

Heute Abend müssen Yair und ich uns verdünnisieren. Aus dem Haus schleichen. Oder zumindest leise sein. Shai hat sein Tuck-Telefon-Interview und darf nicht gestört werden. Da muss ich mir also was einfallen lassen. Vielleicht die Nachbarn besuchen. Oder einkaufen gehen. Oder auf den Indoor-Spielplatz um die Ecke. Mal schauen, wonach uns ist.

Yair hat in den letzten Tagen gelernt, aus seinem Hochstuhl zu klettern. Nachdem ich sicher war, dass er irgendwann einfach rausfällt, weil er ständig aufsteht und sich räkelt und rauslehnt, ich aber dagegen bin, ihn anzuschnallen, hat er jetzt den Trick raus. Ganz geschickt macht er das. Erst schwingt er das eine Bein über die Armlehne. Dann das andere. Dann lässt er sich langsam zum Boden runter. Wie ein Profi.

Bald muss ich mal wieder eine Liste seiner neuesten Äusserungen machen. Dafür muss ich aber mein Köpfchen erstmal anstrengen. So viel wird gesagt und wieder vergessen. Er plappert ja unaufhörlich, wie ein Wasserfall.

Zweites Leben und mehr

Gerade habe ich einen ZEIT-Artikel über das Internet-Spiel Second Life gelesen. Faszinierend. Und gefährlich. Ich glaube, für labile Seelen kann das schwierig werden. Ich möchte mich gar nicht weiter damit befassen, da besteht sicherlich Sucht-Gefahr. Ich bin ja auch eigentlich überhaupt nicht so ein Fan von Spielen, aber das klingt wirklich spannend.

Eben habe ich Yair kurz zu meiner Schwiegermutter gebracht (die übrigens auch seit ein paar Tagen Antibiotika schluckt, weil sie ebenfalls eine Lungenentzündung hat), weil ich bei der Arbeit noch etwas erledigen musste (und ich habe es geschaft und termingerecht abgeschickt, yipeee!!!). Da hat sie mir diese nette Geschichte erzählt:

Ruti, ihre Tochter, schlief friedlich und nichts böses ahnend mit offenem Fenster, als plötzlich etwas Pelziges über ihr Gesicht huschte. Nein, kein lebendig gewordenes Stofftier. Eine Ratte! Die hatte irgendwo in Fensternähe gehaust, vermutlich in dem Schacht, in den sich das Fenster aufschieben lässt. Meine Schwiegermutter hat daraufhin am nächsten Tag unverzüglich den Kammerjäger gerufen. Der hat im Haus keine weiteren Ratten finden können, wohl aber ein anderes Geheimnis gelüftet. Hund Louis hat seit Jahr und Tag seine Hundehütte direkt neben der Hintertür, auf einer kleinen Terrasse. Aber seit Jahr und Tag weigert er sich auch, dort zu schlafen. Jetzt ist klar, warum: Unter der Terrasse befand sich, vermutlich seit Ewigkeiten, ein Rattennest... Hmmm. Plötzlich finde ich Kakerlaken gar nicht mehr so schlimm. Alles relativiert sich eben. :-)

Sonntag, 11. Februar 2007

Bergauf

... geht es langsam wieder, nachdem wir mit Yair am Freitag noch beim Röntgen waren, weil er immer noch Fieber hatte (nachmittags 40°). Dort hat der Arzt Verdacht auf eine einseitig beginnende Lungenentzündung festgestellt und gleich Antibiotika verschrieben, obwohl er eher davon übzeugt war, dass die Entzündung viraler Art ist. Scheinbar war sie aber doch bakteriell, denn die Antibiotika haben gleich angeschlagen: Seit Samstag ist unser Spatz fieberfrei und wieder fast er selbst, auch wenn der Appetit noch nicht zurückgekehrt ist. Heute geht er zum ersten Mal wieder in den Kindergarten.

Ich selber erhole mich auch langsam wieder, und heute endet hoffentlich auch der Stress bei der Arbeit. Derweilen haben sie hier entschieden, erstmal keinen Ersatz für meinen Chef zu suchen. Unser neuer Chef wird Erez, einer der beiden Entwicklungsdirektoren. Damit fällt eigentlich einer der Gründe weg, die mich dazu bewogen haben, hier zu arbeiten: Ich wollte endlich mal einen Chef "vom Fach", jemand, der aus dem Bereich Dokumentation kommt...

Ansonsten planen wir Yairs Geburtstag (15.2.). Im Kindergarten wird er erst am 23. feiern, aber zu Hause haben wir für Samstag eingeladen. Ausruhen kommt also vorerst nicht in Frage.

Shai hat inzwischen schon drei Interviews hinter sich. Kurzfristig hatte er gestern noch eins für Columbia. Morgen steht noch Tuck (Dartmouth) an. Und im März werden wir dann weitersehen.

Mittwoch, 7. Februar 2007

Unverändert

... ist die Situation. Yair nach wie vor mit Fieber, heute Nachmittag stolze 39,6, aber laut Kinderarzt immer noch "nur" ein Virus. Das einzig neue ist, dass ich jetzt auch kränkel. Und da ich ansonsten nichts zu berichten habe, lasse ich es für heute dabei.

Dienstag, 6. Februar 2007

Hiob lässt grüssen

Yair ist noch immer krank, und ich bin völlig erschöpft. Nicht, weil er quengelt und weint. Im Gegenteil, er ist ein richtiger kleiner Engel und sooo anhänglich. Aber ich habe diese Woche solchen Stress bei der Arbeit, dass ich mich am liebsten vierteilen würde. Gerade sitze ich noch im Büro, nachdem Shai mich um 15:00 zu Hause abgelöst hat. Gestern Abend habe ich noch bis nach Mitternacht vorm Laptop gesessen. Heute habe ich mit Hängen und Würgen eine Fristverlängerung bis Montag Mittag bekommen -- da kann ich wenigstens am Wochenende was aufholen. :)

Ach, und das beste habe ich ja noch gar nicht erzählt: Gestern trudelte ich so gegen 16:00 im Büro ein, wurde gleich von meinem Chef abgefangen und mit einer Hiobsbotschaft konfrontiert -- er habe soeben gekündigt, sei noch bis Ende März bei uns und würde Mitte April für ein Jahr nach Indien reisen... Mir sind bald die Ohren abgefallen. Danach war ich wirklich nicht mehr ansprechbar.

Man erinnere sich -- mein Chef ist ein Traum-Manager; davon bekommt man nicht zwei nacheinander serviert. Zumal es so aussieht, als ob sie keinen Ersatz für ihn suchen werden (was ganz klar auf die glänzende Lage unserer Firma hindeutet, aber das nur am Rande) und David und ich uns dann allein mit der R&D Abteilung rumschlagen dürfen. Aber so ist das eben. Manchmal hat man zuviel Glück, und eh man es zu schätzen weiss, ist es schon wieder vorbei. Ufff. Ich konnte nicht schlafen letzte Nacht...

Soviel zu uns. Ansonsten ist alles klar.

Montag, 5. Februar 2007

Zwischenbericht

Yair hat nach wie vor Fieber, aber es geht scheinbar langsam zurück. Morgen noch einen Tag ausruhen, dann kann er hoffentlich am Mittwoch wieder in den Kindergarten gehen. Ein Virus, hat der Arzt gesagt. Wie immer. Manchmal glaube ich, etwas anderes als Viren gibt es hier nicht. Nur gegen die Augenentzündung hat er Tropfen verschrieben.

Gerade habe ich den kleinen Kranken zum Schlafen hingelegt, und obwohl er sich gesträubt hat, war er innerhalb von fünf Minute eingeschlafen. Jetzt werde ich schnell den Laptop startklar machen, den ich mir gestern bei der Arbeit noch organisiert habe, um ein bisschen was zu erledigen.

Wenn es ruhiger wird, schaffe ich es hoffentlich, wieder etwas mehr zu schreiben.

Übrigens habe ich ein nettes Israel-Tagebuch einer Hamburger Journalistin und Kulturwissenschaftlerin entdeckt, die zur Zeit in Tel Aviv studiert.

Sonntag, 4. Februar 2007

Armes Häschen

... bist du krank...? Yair liegt mit Fieber im Bett und schläft schon seit zwei Stunden vor sich hin. Ich betrachte das mal als gutes Zeichen. Dass er schläft, meine ich. Gestern war er suess und gut aufgelegt, wollte nur den ganzen Tag nicht so recht essen. Heiss erschien mir seine Stirn eigentlich nicht, aber vorsichtshalber habe ich Fieber gemessen, bevor er ins Bett gegangen ist: 38,6. In der Nacht hat sein kleiner Körper dann richtig geglüht, heute morgen war das Fieber ein bisschen runter, aber jetzt fühlt er sich wieder heiss an.

Shai und ich teilen uns die "Schichten". Er ist heute morgen wie gewöhnlich zur Arbeit gefahren und löst mich heute Mittag hier ab. Morgen bleibe ich dann sicher ganz zu Hause, aber heute Nachmittag habe ich eine wichtige Besprechung, und heute Abend muss ich mich unbedingt beim Vorstandstreffen der STC Israel sehen lassen, schliesslich bin ich für den Posten des Schriftführers nominiert. Im März sind Wahlen, und da keine anderen Kandidaten vorgeschlagen sind (hier drücken sich scheinbar alle um ein bisschen Verantwortung herum), werde ich mit grosser Wahrscheinlichkeit gewählt.

So, jetzt muss ich mal wieder nach meinem Spatzi schauen.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Ein Stöckchen

... habe ich bei Tanja gefunden, und obwohl es niemand an mich weitergereicht hat, mache ich trotzdem mal mit:

Schreibe 6 komische oder kuriose Dinge über dich und gebe das Stöckchen an 6 Personen weiter.

Los geht's:

  • Als ich klein war, wollte ich unbedingt Busfahrer werden.
  • Wenn ich abends schlafen gehe, müssen unbedingt alle Schranktüren zu sein. (Mein Mann denkt, ich spinne.)
  • Ich mag keine Oliven, so sehr ich mich auch bemühe. (Meine Umgebung nimmt mir das manchmal übel.)
  • Seit ich denken kann, knibbel ich an meinen Lippen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
  • Ich habe meinem Mann den ersten Besuch in Israel abgestattet, obwohl wir uns in Amsterdam weniger als 24 Stunden gesehen hatten.
  • Mein Sohn kam nur eineinhalb Stunden vor dem errechneten Termin auf die Welt. Alle hier meinten, das läge an der deutschen Genauigkeit.

Wer immer dies liest -- ich reiche das Stöckchen hiermit weiter.

Deutschland, deine Türken

Ich bin in der letzten Zeit auf zwei interessante ZEIT-Beiträge gestossen, die sich, direkt und indirekt, mit dem Thema Türken in Deutschland befassen. Im ersten geht es um die Integration türkischer Mitbürger, den Vorwurf, dass sie ihre Chancen nicht wahrnehmen, und die Aufforderung, ihre Interessen als deutsche Bürger wahrzunehmen. Ein sehr interessanter Ansatz, zumal der Autor selbst türkischer Abstammung ist, der den türkischen Mitbürgern mehr Verantwortung zuschiebt, indem er ihnen klar macht: Nur wenn ihr nicht aufgebt, werdet ihr etwas ändern. Die Benachteiligung von Ausländern im deutsch-öffentlichen Leben steht dabei natürlich auf einem anderen Blatt. Auch hier müssen Veränderungen her. Allerdings bringt uns das Thema auch wieder auf die Frage, inwieweit Integration überhaupt zu befürworten ist. Muss man sich wirklich immer anpassen? Wieviel und um welchen Preis?

Der zweite Text ist ein Beitrag von ZEIT-Blogger Jörg Lau über die Tatsache, dass der Türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk seine seit langem geplante Leserreise in Deutschland wegen Morddrohungen abgesagt hat. Deutschland als Hochburg für Extremisten? Spätestens seit den Anschlägen des 11. September ist das nichts Neues mehr. Beängstigend.

Mittwoch, 31. Januar 2007

Umplanen...

... müssen wir wohl. Da hatten wir vor, morgen endlich einmal zum Hermon zu fahren (mein erstes Mal!) und ein bisschen Schnee zu schnuppern. Schon vor Wochen haben wir diesen Tag ins Auge gefasst, und ich habe mich schon darauf gefreut, heute Abend alle möglichen Leckerein für unterwegs vorzubereiten. Und dabei haben wir völlig vergessen, dass doch Tu BeShvat ist und im Kindergarten gebührend begangen wird. Das darf Yair auf keinen Fall verpassen! Also wieder kein Schnee. So ist das eben. Ich lebe nun mal in Israel.

Von Träumen und Schlafprinzen

Heute Morgen bin ich von einem fernen Scheppern erwacht. Kurz darauf höre ich meinen kleinen Spatz auf leisen Sohlen durch den Flur schleichen. Dann steht er plötzlich in unserer Zimmertür, völlig verschlafen: in der einen Hand hält er seinen Wasserbecher, in der anderen zieht er seine Bettdecke hinter sich her... Das war wirklich zu süß! Ich habe sogar Shai geweckt, damit er sich das Schauspiel ansehen kann. Im selben Moment ging dann auch schon mein Wecker.

Zu meinem Glück hat Yair in unserem Bett, unter seiner Decke, gleich weiter geschlafen. Ein paar Minute lang hat er zwar testend seine Hand in meine Haare gewühlt, damit ich auch nicht verschwinde, aber dann konnte ich mich leise davonstehlen. Als ich aus dem Haus ging, war noch alles ruhig.
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Ich habe schon lange nichts mehr von Shais Bemühungen erzählt, seinen MBA in den USA zu machen -- sein Traum, seit ich ihn kenne, aber in Angriff genommen hat er ja erst etwas, als ich ihn vor knapp zwei Jahren drängte, nicht immer nur zu jammern (vor allem, weil sein bester Freund jetzt in Berkley studiert), sondern endlich mal etwas zu unternehmen. Daraufhin hat er den GMAT-Vorbereitungskurs gemacht, dann den Test erfolgreich bestanden, den TOEFL hinterhergeschoben und die ersten Bewerbungen im Januar 2006 eingereicht. Allesamt abgelehnt.

Die Frustration war gross, der Wille grösser, also hat er es im Oktober 2006 noch einmal versucht -- gleiche Schulen, gleiches Ergebnis. Als im Dezember die Absagen eintrudelten, ist er in eine richtige Depression gestürzt, hat sich dann aber entschlossen, koste es was wolle, sich in der zweiten Runde bei anderen, ein kleines bisschen weniger renommierten Unis zu bewerben.

Daraufhin hat er innerhalb von zwei Wochen gleich 5 Bewerbungen rausgehauen. Tag und Nacht hat er daran gearbeitet, ist herumgelaufen wie ein Zombie. Jetzt gehen langsam die Einladungen zum Interview ein. Heute hat er sein erstes für Duke, nächste Woche Cornell, später dann Tuck. Dabei macht es ihm im Job derzeit wieder so viel Spass, dass ohnehin nicht feststeht, ob wir den Schritt wirklich machen würden, wenn er eine Zusage bekäme. Das bleibt also abzuwarten...

Häschen hüpf

Ufff, bin ich müde. Nachdem ich gerade schon neben Yair eingeschlafen bin, will ich es für heute kurz machen, damit ich mich gleich wenigstens noch ein bisschen weiter durch meinen Weihnachtsschmöker lesen kann, "Der Schwarm" von Frank Schätzing.

Anstrengend war's heute mit meinem Spatz. Wir waren mit Dana und Hadar in Bazra; dort macht es Yair eigentlich immer Spass und er tobt ausgelassen und selbstbewusst herum. Aber heute liess er mich nicht mal in Ruhe einen Kaffee trinken; immer musste ich in seiner Nähe bleiben und ihm beim Hüpfen zugucken (das macht er zur Zeit am liebsten, mein kleiner Frosch). Ich glaube, diese Woche ist sehr schwer für ihn, weil ich letzte Woche so viel mehr Zeit mit ihm verbracht habe und jetzt plötzlich morgens wieder früh zur Arbeit gehe. Sobald ich da bin, lässt er mich nicht mehr los.

Das heisst aber natürlich nicht, dass er lieb und anhänglich ist wie ein Lamm. Später zu Hause ist mir mal wieder ein Löffel mit Griessbrei um die Ohren geflogen, und er hat akribisch die Titelseite von einem seiner Bücher abgezogen. Hauchdünn. Feinstarbeit. Wenn ich schimpfe, lacht er sich kaputt. Das macht ihm herzlich wenig. Er ist halt doch ein kleiner Rackerbass. Aber ein liebenswerter.

Jetzt werde ich mich noch ein bisschen zu meinem Göttergatten setzten, einen Tee schlürfen, und mich dann mit meinem Buch ins Bett verziehen. Gute Nacht!

Dienstag, 30. Januar 2007

Blame it...

... on the weatherman! Da regnet es hier mal wieder ein bisschen, und schon gerät alles aus den Fugen. Im Büro ist uns heute Morgen schon zwei Mal das Licht ausgegangen -- Stromausfall. Das Mittagessen wird voraussichtlich mit Verspätung geliefert, "weil es regnet." Und welche Staus es heute morgen gab, möchte ich gar nicht wissen. Da sass ich hier schon sicher im Trockenen.

Übrigens musste ich mich wieder mal über israelische Qualitätsarbeit aufregen. Im Zimmer meines Sohnes pfeift uns dermassen der Wind um die Ohren, als hätten wir vergessen, das Fenster zu schliessen. Festgestellt am Sonntagabend, als es kräftig stürmte (draussen).

Montag, 29. Januar 2007

Kennt das jemand?

Mein Mann will immer nichts wegwerfen. "Wieso, der ist doch noch gut?" sagt er beispielsweise, als ich diesen alten wackeligen Hocker, den wir damals von seinen Eltern mitgenommen haben, endlich entrümpeln will. Oder "Die war damals sehr teuer, und da ist doch nocht nichts dran!" als ich mit spitzen Fingern eine alte, scheussliche Lederjacke aus dem Schrank ziehe. Ganz zu schweigen von den Unmengen alter Hosen und Pullis, von denen er sich einfach nicht trennen will.

Gestern nun haben wir endlich ein passendes Kinderzimmer für Yair bestellt. Schrank, Regal, Tisch, Bett. Das heisst natürlich, dass wir die alten Möbel aus Shais Jugendzeit, die zur Zeit noch im Zimmer stehen (abgesehen von dem Gitterbettchen und der Wickelkommode), irgendwie entsorgen oder verschenken müssen. Ich bin mir nicht sicher, ob Shai das bewusst ist, also wappne ich mich innerlich schon für einen schweren Überzeugungskampf. Sobald Yair im Bett ist, starte ich den ersten Anlauf. "Du, wir müssen dann mal schauen, was wir mit dem alten Schrank machen." "Ja, klar", kommt sofort die Antwort. "Vielleicht können wir irgendwo inserieren." Ich bin völlig perplex.

Durch seine Einsicht ermutigt, schlage ich vor, das Jugendbett ins Arbeitszimmer zu verfrachten, damit wir es dort weiterhin als Gästebett benutzen können, und stattdessen das beige Sofa, das wir nach dem Tod seiner Oma zu uns genommen haben, auszuquatieren. "Das geben wir meinen Eltern," entscheidet er zu meiner Erleichterung sofort. Dann schiebt er nach: "Also, es ist ja eigentlich wirklich sehr schön. Wenn wir mehr Platz hätten, würde ich es auf jeden Fall behalten wollen." Da ist es also wieder! Und innerlich sende ich ein Stossgebet zum Himmel, dass wir uns damals nur diese vier Zimmer leisten konnten und wohl noch eine Weile hier wohnen bleiben werden.

Mutterherz

Heute Morgen habe ich mich mit Tränen in den Augen aus dem Haus geschlichen. Yair stand oben vor dem Törchen am Treppenabsatz und hat herzzreissend geweint und nach "Ima!!!" verlangt. Noch ein paar Minuten vorher, als er kurz wach geworden war, bin ich bei ihm gewesen und habe ihm über sein kleines, verschlafenes Gesichtchen gestreichelt. "Ima, tischeni!" (Mama, schlaf!) forderte er mich ganz zärtlich auf, aber da war ich schon längst geduscht und angezogen. Und während er noch einmal in einen leichten Schlaf sank, bin ich leise die Treppe heruntergegangen. Habe das frische Brot aus dem Backautomat genommen, damit es auskühlen kann, mir meine Schuhe angezogen und mir dann Jacke und Tasche geschnappt. In der Zwischenzeit wurde Yairush vollends wach und suchte mich verzweifelt. Sein Weinen und seine "Ima!"-Rufe wurden immer dringlicher, je mehr er begriff, dass ich mich schon auf und davon gemacht hatte. Er wusste ja nicht, dass ich noch unten weilte, voller Schuldgefühle und mit wehem Herzen...

Jetzt also Eilat

Diesmal, zum ersten Mal, hat es also Eilat getroffen. Eine kleine Bäckerei in einer Touristenhochburg, wenngleich weit entfernt von den überlaufenen Stränden, in einer abgelegenen, ruhigen Siedlung. Es kann ja auch nicht angehen, dass die Monate, schon neun an der Zahl, ohne einen einzigen Selbstmordanschlag verstreichen. Abgesehen von den Raketen, die immer mal wieder auf uns abgefeuert werden, war es seit April einfach zu ruhig hier. Das ironische an diesem Anschlag ist, dass er laut Islamic Jihad dazu dienen sollte, die wochenlangen Kämpfe zwischen Fatah und Hamas zu beenden.

Ich werde nie begreifen, was in diesen Selbstmordattentätern vor sich geht. Oder in ihren Eltern. Mama und Papa Saqsaq aus Gaza City, die ihren 21jährigen Sohn vor drei Tagen zuletzt gesehen haben, wussten, dass er dabei war, einen Anschlag zu verüben, und "beteten für seinen Erfolg". Wahrscheinlich feiern sie jetzt ausgelassen triumphierend, während ihr Junge sich im Jenseits mit schönen Jungfrauen vergnügt. Da wird mir wirklich übel.

Ach, es wäre auch zu schön gewesen, mit meinen Eltern kurz nach Pessach für ein paar Tage am Roten Meer auszuspannen. Fast hätten wir schon gebucht. Jetzt möchten sie sicher das Risiko nicht eingehen. Und kann ich es ihnen verübeln? Es ist zum heulen.

Sonntag, 28. Januar 2007

"Späte Familie"

Ich sehe gerade, dass Grenzgänger begeistert von Zeruya Shalev berichtet, mit einem Hinweis auf diesen Zeit-Artikel. Ich habe ihre Romane vor einigen Monaten auch verschlungen. Am besten gefallen hat mir allerdings der letzte, "Späte Familie". Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit die Autorin ein so realistisches Bild zeichnet (ein so trauriges!), und in welch sprachlicher Schönheit (sofern ich das beurteilen kann -- ich habe schliesslich nur die deutsche Übersetzung gelesen; ich nehme aber an, dass das hebräische Original sprachlich noch differenzierter und vielschichtiger ist, denn Mehrdeutigkeit ist im Hebräischen ja sehr verbreitet).
Nicht selten hat sich mir beim Lesen die Kehle zugeschnürt, und ich habe mir geschworen, unsere Familie zusammenzuhalten, komme was mag.

Samstag, 27. Januar 2007

Kindermund

Ich habe schon lange nicht mehr Yairs neueste Äusserungen festgehalten. Hier also ein paar davon:
  • Im Auto, als ich ihn an einem Freitag zum Kindergarten bringe, während Shai zu Hause bleibt: "Ima, shachachnu et aba!" (Mama, wir haben Papa vergessen!)
  • Im Bett, mir sein Fläschchen reichend: "Ima, lo owed li, ha bakbuki." (Mama, das Fläschchen funktioniert nicht für mich.)
  • Morgens, kurz nachdem er aufgewacht ist: "Ani lo margish tov, ima." (Ich fühle mich nicht gut, Mama.) "Nein, Spatzi? Was hast du denn?" "Yesh li chom." (Ich habe Fieber.) Ich fühle seine Stirn, aber die ist kühl wie fast immer.
  • Andere Variante: "Ima, ani lo margish tov." (Mama, ich fühle mich nicht gut.) "Was hast du denn, Spatzi?" "Kol haGuf koew li. Achalti tutim." (Mein ganzer Körper tut weh. Ich habe Erdbeeren gegessen."Das sagt er in Anspielung auf die Geschichte vom Löwen, der immer nur Erdbeeren essen will und der danach ganz fürchterliche Bauchschmerzen hat. Gestern hat Yair nämlich auch Erdbeeren gegessen und wollte immer mehr, bis ich ihm schliesslich die letzte gereicht habe mit der Bemerkung, er kenne doch den armen Löwen -- zu viele Erdbeeren wären ungesund. Kurz darauf dann diese Unterhaltung.
  • Auf die Frage "Welcher Yair bist du?": "Alfandary. We melech. We chamud." (Alfandary. Und ein König. Und süß.) Das kommt, weil seine Kindergärtnerin, die einen Narren an ihm gefressen hat, ihm immer sagt, er sei ein König.
  • Im Auto, noch halb verschlafen, als ich vorm Haus aus der Parklücke setze: "Bye bye, beit!" (Auf Wiedersehen, Haus!)

Ganz zu schweigen von den Geschichten, die er neuerdings erzählt. Papa sei auf einen Baum geklettert und heruntergefallen, zum Beispiel. Manchmal kann ich kaum glauben, dass er noch keine zwei Jahre alt ist.

Wieder komplett

Jetzt ist unsere Familie wieder vollständig. Heute Nachmittag haben wir Shai vom Flughafen abgeholt. Yair ist losgelaufen wie ein Blitz, als er ihn auf uns zu kommen sah, und war ganz ausser sich vor Freude. Die steigerte sich noch, als Shai ihn zu einer Runde Rolltreppefahren einlud. Rolltreppen findet er super.

Die gesamte Geburtstagsüberraschungsaktion ist jedenfalls gelungen. Papa war völlig von den Socken, als er Shai plötzlich spätabends vor der Tür stehen sah, und Shai hatte ein paar schöne Tage mit meinen Eltern. Sogar mit Opa und Oma hat er sich gut unterhalten.

Meinem Opa fällt es allerdings schwer zu begreifen, dass Shais Deutsch enorme Fortschritte gemacht hat. Er verständigt sich immer noch mit ihm, als sei er hochgradig behindert. "Shai, komm essen!" sagt er beispielsweise und führt seine Hand dabei immer wieder zum Mund, um seinen Worten bildlich Ausdruck zu verleihen. Bis meine Oma schliesslich sagt, "Siegfried, es ist gut, der Junge versteht dich auch so!"

Jetzt hätte ich fast vergessen zu erzählen, dass Yairi eben zum ersten Mal Pipi auf der Toilette gemacht hat. Ganz stolz war er. Wir auch. :-)

Donnerstag, 25. Januar 2007

Was wäre wenn...

...mein Göttergatte plötzlich ein Angebot hätte, für zwei Jahre nach D zu gehen? Müsste ich mich dann freuen oder in Panik ausbrechen? Wir hatten das ja gerade -- die Vorzüge des Lebens hier, die Schwierigkeit des Sich-Wieder-Eingliederns. Aber wenn das für Shai karrieretechnisch eine wunderbare Chance wäre. Und wenn ich so die Möglichkeit hätte, beruflich vorübergehend ein bisschen kürzer zu treten, um mehr Zeit für meinen Spatz zu haben. Und wenn dass ausserdem unserem kleinen König (und auch meinem Mann!) helfen würde, sein Deutsch zu festigen. Und wenn wir so wenigstens für einige Zeit meiner Familie ein bisschen näher sein könnten. Wäre es dann wert, darüber nachzudenken?

Ich habe bisher immer gesagt, dass ich Angst habe zurückzugehen, weil ich weiss, dass es nur vorübergehend sein wird. Denn wir sind uns einig, dass unsere Basis hier in Israel ist. Angst davor, wieder gehen zu müssen, nachdem man sich gerade erneut eingewöhnt hat. Wieder Abschied nehmen zu müssen. Aber auch ein bisschen Angst davor, wie es sein wird, als Jude in D zu leben. Wie es sein wird, dort Kinder aufzuziehen, nachdem man hier so verwöhnt worden ist. Unsere Moshav ist das reinste Paradies für Yair. Aber vielleicht gibt es ja ebenso viele Gegenargumente, oder Argumente, die diese Gründe entkräften. Ich muss da mal ein bisschen drüber nachdenken.

Mittwoch, 24. Januar 2007

Und was, wenn er unschuldig ist?

Noch ganz kurz, bevor ich den Tag beschliesse...

"Zornige Bürger" betitelt heute Die Zeit ihren Artikel über Moshe Katzav (und die übrigen politischen Skandale in Israel). Es mag schon stimmen, dass die meisten Israelis desillusioniert und empört sind, sogar wütend. Aber dann gibt es auch noch Menschen wie meine Schwiegermutter, die sich mir während der Nachrichten, nachdem sie einen furiosen Katzav faustschüttelnd den Journalisten gegenüberstehen sehen hat, zuwendet und leise fragt: "Und was, wenn er unschuldig ist?"
Da erinnere ich mich an den Tag, an dem seine Wahl zum Präsidenten bekannt gegeben wurde. Wie damals ein Leuchten über das Gesicht meiner Schwiegermutter ging! Endlich ein "Farsi", der die Anerkennung bekommt, die ihm gebührt. Mit ihm konnte sie sich identifizieren: Auch er wurde in Iran geboren; auch er kam als kleiner Junge mit seinen Eltern nach Israel und lebte die ersten Jahre in einem bescheidenen Lager für Neueinwanderer; auch er hatte sich hochgearbeitet, es zu etwas gebracht. Richtig glücklich war sie.
Und nun dies. Das kann sie nicht fassen, damit kann sie nicht umgehen. Arme Hana. Vielleicht fällt es ihr schwer, diese Niederlage nicht persönlich zu nehmen. Ein bisschen kann ich es ihr ja nachfühlen. Trotzdem frage ich mich vielmehr, woher Katzav die Unverfrohrenheit nimmt, sein Amt nur "vorrübergehend" niederzulegen.

Ob die Waschmaschine wohl endlich ausgewaschen hat? Ich möchte endlich in mein Bettchen schlüpfen.

Sprachwelten

Ich bin fassungslos. Da sitze ich endlich startbereit mit einer Tasse Tee, gedämpftem Licht und leiser Hintergrundmusik vorm Computer, rufe meinen Blog auf – und starre dann auf folgende Nachricht:
Blogger and Blog*Spot are unavailable right now. We apologize for this interruption in service.
Details
Blogger is undergoing unscheduled maintenance this morning. We hope to resume service shortly.

Ein paar Minute später dann diese Erfolgsmeldung:
Server Error
The server encountered a temporary error and could not complete your request.
Please try again in 30 seconds.

Wunderbar. Dann texte ich jetzt also erstmal offline. Heute hat Safta Hana Yairi vom Kindergarten abgeholt, wie sie das jetzt eigentlich recht regelmässig einmal pro Woche macht. Yair geniesst es uneingeschränkt und lässt sich, wenn ich ihn dann abhole, kaum überreden, seine Jacke anzuziehen. Und ich kann so etwas länger
arbeiten, ein paar Stunden vor oder nachholen, damit ich im Durchschnitt meine Minimum-45-Stunden-Woche einhalten kann (das muss ich manchmal einfach betonen, weil in Deutschland doch so gerne über die Rückkehr der 40-Stunden-Woche geklagt wird). Na ja, ursprünglich hatte ich vor, mir an solchen Tagen mal zwei oder drei Stunden etwas Gutes zu tun – Einkaufen vielleicht oder Fitnessstudio, das ich kaum noch von Innen kenne -, aber dieser Traum hat sich schnell zerschlagen.
Heute jedenfalls war halb Arbeit, halb Vergnügen angesagt; es stand mal wieder ein STC-Ereignis an. Diesmal hat Lisa, meine ehemalige Kollegin, vorgetragen, über „Content Models and How You Make Them Work for You.“ Dabei ist mir wieder einmal bewusst geworden, mit welcher Leichtigkeit ich mich inzwischen zwischen den Sprachen hin und her bewege. Und jeder Bereich ist klar abgegrenzt. Zu Hause sprechen wir eigentlich Hebräisch, manchmal Deutsch (mit Yair natürlich immer!), ganz selten noch Englisch, wenn ich mal wieder zu müde bin oder mein Hebräisch an seine Grenzen stösst. Bei der Arbeit reden wir technischen Redakteure Englisch untereinander, aber mit dem Rest der Kollegen Hebräisch. Das hätte ich mir früher nie träumen lassen.
Wenn ich daran denke, wie schwer ich mich hier anfangs getan habe. Ich erinnere mich auch noch wie gestern an jenen Tag an der Uni, kurz vor meinem Auslandssemester in den USA, als Professor Frese mir nach einem Auswahlgespräch auf den Rücken klopfte und sagte, „Mädchen, an ihrem Englisch müssen Sie aber noch etwas tun.“ Junge, das war mir aber ein Ansporn! Heute sind Kollegen in meinem Bereich erstaunt, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Und Israelis wundern sich über meinen fehlenden Akzent. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz. Das gebe ich gerne zu. :-)
Was Sprache für mich bedeutet und wie sich diese Bedeutung für mich im Laufe der letzten Jahre verändert hat, darüber sinne ich ein anderes Mal nach... Als ich hierher kam, war die Deutsche Sprache jedenfalls das Stückchen Heimat, das ich in mir trug. Ein bisschen zu Hause, das mir blieb, obwohl ich hier mit niemandem Deutsch reden konnte. Aber bevor ich mich jetzt in diesem Gedankengang verliere, höre ich lieber auf. Das ist ein Post für sich.

Dienstag, 23. Januar 2007

Die Büchse der Pandora

... hat mein Kollege David heute für mich geöffnet. Vermutlich bin ich einige der wenigen Nicht-Eingeweihten, die www.pandora.com bisher noch nicht kannten. Morgen jedenfalls werde ich meine Kopfhörer mit zur Arbeit nehmen und erstmal lustig draufloshören. Ausser im Auto komme ich ja fast nicht dazu, mir mal "meine" Musik anzuhören. So viele Klänge, die ich schon ewig nicht mehr gehört habe oder fast vergessen hatte. Wie glücklich einen Musik doch machen kann. Ich schwebe auf Wolken...

Kostproben...

... aus dem Leben eines Zweijährigen.
Heute Nacht bin ich mit einem RUMMMS aus dem Schlaf aufgeschreckt, als Yair vor seinem Bett aufschlug. Dort haben wir natürlich in weiser Voraussicht alles gepolstert, aber aufgewacht ist er diesmal schon -- und geweint hat er, aber wohl mehr vor Schreck als vor Schmerz. Selber Schuld? Seit Gitterbettchen steht schon seit August verwaist im Raum. Mein Sohnemann hat sich das Gästebett zur Traumburg erklärt. Die ist natürlich nicht gesichert, und deshalb gehen wir in Kürze erstmal auf Bettenschau.
Abendessen. Wie immer möchte mein kleiner Sohn nur "Griessbrei mit Rosinen, Ima! Aval RAK Griessbrei!" (Aber NUR Griessbrei!) Zufrieden löffelt er dann vor sich hin, bis er plötzlich eine Ladung für mindestens Drei Richtung Mund schiebt. "Hey," sage ich, "der Löffel ist ein bisschen voll. Schau mal, wir nehmen etwas herunter." Schon zuviel. Sofort läuft er rot an, schreit wie am Spiess, schleudert den beladenen Löffel von sich, dass es nur so spritzt. Erst als er schliesslich schläft, komme ich dazu, die Reste von meinen Klamotten zu kratzen. Sogar meine Uhr ist völlig verschmiert.
Bettgehzeit. Yair sitzt fröhlich plappernd in der Badewanne. Wasser ist sein Revier. Selbst wenn er den ganzen Tag quengelt, wird er beim abendlichen Wasserplantschen sanft wie ein Lamm. Ob das vom Babyschwimmen der ersten Monate herrührt, sei mal dahingestellt. Ich verlasse jedenfalls für etwa eine Minute den Raum, um seinen Schlafanzug und eine Windel herbeizuschaffen. Als ich die Tür wieder aufschiebe, sehe ich gerade noch, wie seine Hand den vollen Eimer neben der Badewanne leert. Ich schäume vor Wut (ist schliesslich nicht das erste Mal), reisse die Badematte hoch, verfrachte sie blitzschnell in den angrenzenden Waschraum und schnappe mir mit der anderen Hand einen Aufnehmer. Als ich mich dem kleinen Teufel wieder zuwende, schaut er mich keck an, hebt seinen Arm -- und schüttet den zweiten Eimer über den Rand. Dafka. Wundert es da jemanden, wenn die Oma aus D ihn mit "Hallo kleiner Rackerbass!" begrüßt? Yair aber reagiert empört. "Ani LO Rackerbass!" (Ich bin kein Rackerbass!) Ist das übrigens ein gängiger Begriff, oder sagt er nur Menschen aus meiner Heimatregion etwas?
Dabei belasse ich es für heute... Sogar zu Hause brauche ich inzwischen Ellbogen!

Montag, 22. Januar 2007

Politische Verantwortung

Eines der ersten Dinge, die ich gelernt habe, als ich nach Israel gegangen bin, war die Sache mit der Politik. Ganz am Anfang habe ich ein paar Mal den Versuch gestartet, mit meinen Eltern über die politische Situation hier zu sprechen. Besser gesagt, sie ihnen zu vermitteln. Aber ich kam einfach nicht gegen die voreingenommene Berichterstattung in D an. Ich habe leider nicht Lilas Talent, die Dinge darzustellen und lasse mich schnell mundtot machen. Oft scheinen mir die Argumente der anderen stärker, überzeugender. Dann beginne ich an meiner eigenen Sichtweise zu zweifeln, statt sie zu verteidigen. Oder mir fehlen die richtigen Worte. Das läuft ja im Endeffekt auf das Selbe hinaus. Wenn Freunde und Bekannte mich fragten, ob ich denn von den "Unruhen" etwas mitbekäme, ob es denn nicht gefährlich sei, bin ich daher sehr schnell dazu übergegangen abzublocken. Ja, dort wo wir wohnten, sei alles ruhig. Ausser in den Nachrichten bekämen wir davon eigentlich nichts mit. Was ja auch so stimmt. Mehr oder weniger jedenfalls, und abgesehen von der Tatsache, dass ich nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre und zwischenzeitlich monatelang öffentliche Plätze wie Einkaufszentren und Cafés gemieden habe.
Aber Tatsache ist, dass ich mich bei solchen Antworten immer unwohl gefühlt habe, mich auch noch immer und in zunehmendem Masse unwohl fühle. Denn eigentlich hat diese Haltung dazu geführt, dass ich mich von den politischen Nachrichten abgewandt habe. Unbewusst jedenfalls, aber das ist mir erst in letzter Zeit wirklich bewusst geworden. Wenn im Auto auf dem Weg zur Arbeit die Nachrichten beginnen, schalte ich schon nach wenigen Sekunden automatisch gedanklich ab, selbst wenn ich mir kurz vorher geschworen habe zuzuhören. Und das ist eigentlich längst kein Sprachproblem mehr. Wenn ich höre, dass ein zweijähriges Mädchen, das am Vortag von einem Küchenschrank begraben worden ist, in der Nacht im Krankenhaus gestorben ist, dann horche ich auf. Dann möchte ich auf der Stelle weinen und mein Gesicht in den Händen vergraben. Aber wenn Politik geredet wird, dann kommt das bei mir irgendwie nicht mehr an. Mir kommt also nicht nur die deutsche Rechtschreibung abhanden, sondern auch die politische Verantwortung. Und damit fühle ich mich schlecht. Denn im Grunde ist es ja so, dass ich gar nicht mehr mitdiskutieren kann, weil mir einfach zu viel Hintergrund fehlt. Das ist eigentlich unentschuldbar in einem Land wie diesem, in dem man doch nicht umhin kommt, Stellung zu beziehn. Und so ermahne ich mich und nehme mir vor, diese Situation zu ändern. Das braucht natürlich Zeit und Konsequenz, aber die muss ich einfach aufbringen.

Farsi Kitchen und Grießbrei mit Rosinen

Mein Göttergatte weilt schon wieder in D. Diesmal ein bisschen länger, um am Freitag meinem Papa einen Geburtstagsüberraschungsbesuch abzustatten. So ist er erst am Samstag wieder hier, aber Yair und ich machen uns einfach ein paar schöne Tage. Ich geniesse den Luxus, ein paar Abende ganz für mich zu haben.
Unser persisches Abendessen am Freitag, Geburtstagsgeschenk (auch bei uns gibt es davon im Januar so einige) für Shais Mama, war ein voller Erfolg. Alle haben sich die Finger geschleckt, und Hanah war zu Tränen gerührt. Am nächsten Tag rief sie an um zu sagen, dass es der schönste Geburtstag war, den sie je erlebt hat. Da waren dann die acht Stunden Töpfeklappern im Nu vergessen. Schliesslich hat mir das Kochen ja auch Spass gemacht. Und dass ich einen Topf ruiniert habe, weil die „goldene Kruste“ leider ein bisschen zu golden wurde, das ist ja nicht der Rede wert. Hier ist das Menü:


  • Gurken-Tomaten Salat

  • Tahdig (Reis mit goldener Kruste)

  • Fesenjān (Geschmortes Hühnchen in Walnuss-Granatapfel-Sosse)

  • Khoresh-e Estenāj (Spinat"Eintopf")

  • Khoresh-e Na'na Ja'fari (Minz-Petersilien-"Eintopf")

  • Miveh (Früchtesalat mit Datteln und getrockneten Feigen)

  • Ranginak (Süssspeise mit Datteln und Nüssen)



Oh, und nicht zu vergessen Brot mit Mandeln und getrockneten Aprikosen, ofenfrisch serviert.

Seit ein paar Wochen schon verlangt Yair jetzt immer lautstark abends „Grießbrei mit Rosinen“. Den bereiten wir dann zusammen zu: ein bisschen Apfel, eine Handvoll Rosinen, ein paar Löffel Grieß, eine Prise Zimt und nicht zu wenig Milch, aufkochen, fertig – und ab in Mund, Nase und Augen. Ich schlecke dann nachher immer eifrig den Topf aus.

Übrigens ertappe ich mich in letzter Zeit immer häufiger dabei, dass ich meine Deutsche Rechtschreibung überprüfen muss. Das ich wirklich zu peinlich. Dem muss ich jetzt ganz gezielt entgegen wirken...

Mittwoch, 17. Januar 2007

Trotzkopf



Und so rennt die Zeit dahin. Unser Wochenende im Norden liegt schon wieder scheinbar ewig zurück. Es war wunderbar; wir haben Winzereien besucht und Weine probiert, sind gewandert, haben uns die Vogelwelt im Hula-Tal angeschaut, gut gegessen, verhältnismässig viel geschlafen und einfach nur genossen. Wie so oft haben wir uns vorgenommen, dass wir solche Ausflüge unbedingt öfter machen müssen. Aber ob wir das auch in die Tat umsetzten? Mehr Fotos gibt es hier.

Jetzt steht das nächste Wochenende an -- und da bin ich gefragt. Wir haben vor kurzem ein persisches Kochbuch in die Hand bekommen (das meinem Chef gehört), das aber leider vergriffen ist. Da Shais Oma aus Persien kommt und auch seine Mutter, die am Dienstag Geburtstag hatte, die persische Küche liebt, haben wir das Buch als Geburtstagsgeschenk kopiert und gebunden. Es ist wunderbar aufgemacht, zweisprachig Englisch-Persisch. Und jetzt der clou: Shai hatte die geniale Idee, ich könnte doch seine Mutter samt Familie mit einem persischen Essen überraschen... Und so werde ich morgen kräftig mit den Töpfen klappern.

Eigentlich freue ich mich schon seit Tagen darauf, denn erstaunlicherweise macht mir das Kochen seit einiger Zeit unheimlich viel Spass. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich nur einmal in der Woche in der Küche stehe und nicht jeden Tag etwas zaubern muss. Heute morgen duftete unsere Wohnung wieder wunderbar nach Brot, diesmal mit Walnüssen und getrockneten Aprikosen (dank unserer Brotmaschine kaufen wir schon seit September kein Brot mehr). Probiert habe ich es allerdings noch nicht.

Yair ist derzeit auf dem sicheren Weg in die Trotzphase, oder "the terrible two", wie es im Englischen so schön heisst. Nichts könnte treffender sein. Sobald etwas nicht nach seinem Willen geht, fängt er wie wild an zu schreien. Jedes Mal, wenn ich ihn in seinen Autositz verfrachten will, buckelt er und brüllt wie am Spiess, weil er doch viel lieber nach vorne klettern und im "Cockpit" ein bisschen spielen will. Oh boy, und das ist sicher erst der Anfang...


Auf der anderen Seite ist er dann wieder so unglaublich süss, wenn er morgens verschlafen zu mir ins Badezimmer schlurft, sich die Augen reibt, blinzelt und als erstes sagt: "Ima, lo holechet la awoda!" (Mama, nicht zur Arbeit gehen! -- ungefähr jedenfalls, grammatisch nicht ganz korrekt.)

Bei der Arbeit ist der Stress abgeebbt. Jetzt muss ich mich erstmal wieder an das Arbeiten ohne Druck gewöhnen. Da lässt man sich dann so leicht zu allen möglichen anderen Dingen verführen. Bloggen beispielsweise... Denn dazu komme ich ja sonst nicht. Zu Hause gibt es schliesslich ständig andere Dinge zu erledigen. Die letzten beiden Abende habe ich damit verbracht, Fotos seit meiner Schwangerschaft in Alben zu stecken. Zwei sind schon voll, eins muss ich wohl noch kaufen. Aber so kommt endlich mal ein bisschen Ordnung rein. Ach, und wie sentimental ich geworden bin, als ich die ersten Bilder von Yair wieder in Händen hielt. Wie doch die Zeit vergeht, jetzt ist er schon so gross. Irgendwie hat jedes Alter seinen eigenen Reiz.

Jetzt aber Schluss, ich muss wirklich etwas tun hier...

Montag, 8. Januar 2007

Suppenfrühstück oder: Die jiddische Mamme

Heute muss ich mir einfach die Zeit zum Bloggen nehmen...

Man stelle sich vor: Heute Morgen um 7:30 saß ich mit meinem Chef und seiner Mutter in unserer Büroküche, löffelte scharfe asiatische Suppe und kaute nebenbei selbgebackenes Brot mit getrockneten Aprikosen. Köstlich, beides, auch wenn es nicht zusammenpasste und als Frühstück eigentlich völlig unmöglich ist.

Seit die Mutter meines Chefs aus Kanada angereist ist, bringt er sie täglich mit zur Arbeit und umsorgt sie, als wäre er selber die "jiddische Mamme". Dann sitzt sie im Büro um die Ecke, mit dem Laptop, den ich derzeit abends täglich mit nach Hause schleppe, um Überstunden einzulegen, und schaut indische Filme -- eine Leidenschaft meines Vorgesetzten. Dass sie sie so spannend oder amüsant findet wie er, wage ich zu bezweifeln.

Dabei muss ich anmerken, dass mein Chef umwerfend ist, ein ganz besonderer und überaus interessanter Mensch. Dass er schwul ist, erklärt vielleicht einiges (ich darf das sagen, denn es ist ja lieb gemeint -- schliesslich ist mein kleiner, ferner, gelieber Bruder das auch): gutaussehend, liebevoll, aufmerksam, witzig. Man sagt, 80% aller technischen Redakteure (zumindest hier in Israel) seien introvertiert, und die übrigen 20% würden zu Managern.

Jedenfalls ist es wunderbar, für ihn zu arbeiten. Morgens grüsst er mich mit "Good morning, blond sunshine!", und wenn ich im Urlaub weile, simsts er mir, um zu sagen, dass er mich mehr vermisst, als er gedacht habe. Überflüssig anzumerken, dass er solche Dinge nur von sich geben kann, weil er schwul ist.

Freitagabend hat er übrigens den perfekten Gastgeber gespielt und uns ein köstliches persisches Abendessen gezaubert, das Shai sehr beeindruckt hat und auf das Shais Oma stolz gewesen wäre. Wir hatten einen sehr netten Abend und haben sogar das erste schwule Paar kennengelernt, das die Anerkennung seiner (im Ausland geschlossenen) Ehe hier rechtlich eingeklagt hat.

Übrigens fahren wir übers Wochenende mit Freunden in den Norden. Auch wenn ich noch nicht weiss, wann ich die Zeit zum Packen finden soll, freue ich mich schon sehr. Vielleicht fahren wir zum Hermon hoch, um uns den Schnee anzusehen, den Deutschland uns im Dezember verwehrt hat.

Sonntag, 31. Dezember 2006

Vom Weggehen und Ankommen

Wir sind zurück, und wie immer war der Abschied schwer und das Ankommen nicht nur für den Kopf problematisch. Aber ich glaube, inzwischen bin ich voll und ganz wieder hier -- der Alltag hat einen ja schneller wieder, als einem lieb ist.

Yair hat die Zeit bei Oma und Opa in vollen Zügen genossen. Er ist tagelang glücklich in dem Wissen umhergewirbelt, dass jeder im Haus ihn sehr lieb hat. Vor meinen Grosseltern hat er sich merkwürdigerweise anfangs gefürchtet. Das muss eine Generationensache sein, denn schon im Flugzeug hatte er Angst vor zwei älteren Herren, die hinter uns sassen und mit ihm schäkern wollten. Da rief er laut: "Ima, lo roze!" (Mama, will nicht!) und fing an zu weinen. Aber am letzten Abend beim Einschlafen murmelte er dann zufrieden vor sich hin (auf Deutsch!): "Uroma. Uroma. Uroma! Plätzchen. Kuchen. Plätzchen. Rosinen." Und er verteilte sogar freiwillig Küsschen an alle beim Abschied.

Für mich war es wie immer. Die ersten Tage habe ich uneingeschränkt genossen, aber dann machte mir der Gedanke an den baldigen Abschied schon wieder das Herz ganz schwer. Am letzten Tag dann habe ich mich an den letzten Lichtblicken festgehalten. Noch ein gemeinsames Kaffeetrinken. Noch ein Abendessen. Zusammensitzen vorm Kamin. Ein letztes Glas dieses leckeren Südafrikanischen Cabernet Sauvignons. Ein letzter Wallander-Krimi. Gemeinsame Fahrt zum Flughafen. Eine Tasse überteuerten Flughafen-Kaffees. Und dann keine Ausflüchte mehr, kein Klammern: wir müssen die Treppe hoch, durch die verschärfte Handgepäckkontrolle, uns auf den Weg zum Gate machen. Diesmal ohne sichtbare Tränen; die fallen nur tief innen, ich kann sie gerade noch aufhalten. Es hilft ja nichts. Diese Leben habe ich mir selber ausgesucht.

Jetzt also bin ich wieder angekommen, irgendwie zu Hause, aber nie so ganz. Wenn ich hier bin, ist immer ein Teil dort. Wenn ich dort bin, möchte immer ein Teil wieder zurück. So zerrissen werde ich bleiben, da komme ich nicht mehr raus. Aber eigentlich arrangiere ich mich damit ganz gut. Im grossen und ganzen jedenfalls. Und vielleicht kommen meine Eltern über Ostern.

Übrigens legen Yair und ich jetzt häufig Frederik Vahle's "Der Spatz" auf. Uns ich das Lied vom kleinen Trampeltier so richtig ins Ohr gegangen. Und Nenas Kinderlieder-CD steht auch hoch im Kurs. Beides Geschenke meines lieben Schwesterchens.

Ich habe auch eine Menge Bücher mit zurück gebracht. Jetzt muss ich nur noch Musse finden...

Ach ja, und heute ist Neujahr -- wie konnte ich das nur vergessen. Ein glückliches 2007 uns allen, mit hoffentlich viel Ruhe und Frieden!

Dienstag, 19. Dezember 2006

Zwei mal werden wir noch wach...

... dann fliegen wir! Shai ist inzwischen schon in D, und ich treffe die letzten Vorbereitungen für unseren "Weihnachts"urlaub. Dazu gehört auch, Yair immer wieder zu erzählen, dass wir am Donnerstag mit dem Flugzeug zu Oma und Opa fliegen und dort auch den Papa treffen. Ob's was hilft? Wenn ich ihn frage, wo der Papa ist, ruft er immer aufgeregt "baAviron!" (im Flugzeug). Er hat auch schon begriffen, dass er ein Geschenk bekommt, wenn Papa wieder "aus dem Flugzeug steigt". Sowas ist ja einfach zu behalten.

Scheinbar scheint er sich auch gut an Oma und Opa zu erinnern. Sogar an "Batan", den er hin und wieder erwähnt und scheinbar in sein Herz geschlossen hat, obwohl der liebe Onkel sich nie meldet und ich seit Juli nur einmal für zwei Minuten mit ihm sprechen konnte. Aber das ist eine andere Geschichte, die nicht hierher gehört.

Gerstern abend schien sich bei Yair wieder Fieber anzubahnen, aber Gott sei dank ist er heute wieder ganz der Alte gewesen. Ein liebenswerter kleiner Frechdachs, der langsam in die "terrible two" kommt. Meine Eltern werden sich wundern, wenn sie ihn am Freitag in Aktion erleben.

Ein bisschen nervös bin ich. Komisch eigentlich. Man sollte meinen, nachdem ich schon drei Mal alleine mit meinem Spatz geflogen bin, würde ich ruhiger, aber leider ist dem ganz und gar nicht so. Jedes Mal gibt es andere Dinge zu bedenken. Letztes Mal hatte ich Angst, dass er mir im Flugzeug das Tablet mit dem Essen um die Ohren haut. Diesmal weiss ich, dass wir das (hoffentlich) unter Kontrolle haben, aber er könnte stattdessen einen Tobsuchtsanfall bekommen, aus allen möglichen erdenklichen und unerdenklichen Gründen. Wahrscheinlich geht am Ende aber sicher doch wieder alles glatt.

In diesem Vorbereitungsstress geht Chanukka leider ein bisschen unter. Bisher haben wir zwar jeden Abend (ausser heute, *schäm*) Kerzen angezündet, aber so richtig Stimmung kommt nicht auf, zumal sowohl Yair als auch ich die Chanukka-Feier im Kiga bzw. bei der Arbeit verpassen werden. Souvganiot habe ich auch nur bis Freitag gegessen; seither scheinen sie mir aus dem Weg zu gehen (ist wohl auch besser so). Dafür habe ich aber ein bisschen über Chanukka in meiner letzten Kolumne geschrieben.

Jetzt muss ich mal langsam sehen, dass ich die letzte Wäsche gefaltet bekomme und schon mal ein paar Klamotten in den Koffer werfe. Eigentlich wollte ich auch noch "In aller Freundschaft" gucken. Habe ich schon erwähnt, dass Shai mir kurz nach Yairs Geburt das überhaupt beste (wenn auch unromantischste) Geschenk überhaupt gemacht hat? Mit einer zweiten Schüssel auf dem Dach kann ich jetzt meine geliebten rechtlich-öffentlichen Sender empfangen und damit auch wieder gute deutschsprachige Krimis, Serien und Filme sehen (falls ich mal dazu komme). So sehr ich mich hier in Israel wohl fühle -- die Sprache fehlt mir doch, schliesslich ist man auch in ihr ein gutes Stück zu Hause. Nicht umsonst habe ich ja Literatur studiert. wenn ich daran denke, wie viel ich in meinem "früheren" Leben gelesen habe... Aber bevor ich abschweife, mache ich lieber an dieser Stelle Schluss.

Freitag, 8. Dezember 2006

Auszeit?

Yair ist schon wieder krank. Die ganze Nacht hat er gehustet, irgendwann kam ihm dann alles wieder hoch, heute morgen waren wir alle völlig gerädert und jetzt schläft er schon einen fast 3stündigen Mittagsschlaf. Shai ist mit ihm heute Mittag zum Arzt gegangen, und der meint tatsächlich, Yair sei zu oft krank (Ach? Ich dachte, im ersten Kindergartenjahr sei das so?) und wir sollten überlegen, ihn mindestens für sechs Wochen aus dem Kiga zu nehmen. Jetzt sind wir natürlich völlig geplättet.
Dabei waren wir vor kurzem schon beim Homöopathen, um einen Weg zu finden, sein Immunsystem zu stärken. Auszeit also -- aber wie sollen wir das bewerkstelligen? Shai meinte kurz und knapp, das ginge eben nicht. Aber ich denke, vielleicht sollten wir wenigstens konkreter darüber nachdenken. Es stimmt, ich kann jetzt nicht einfach eineinhalb Monate unbezahlten Urlaub nehmen. Oder vielleicht doch? Ich bin völlig zerrissen. Ich möchte auch nicht, dass Yair sich für diese "kurze" Zeit an eine neue Tagesmutter gewöhnen muss. Ganz zu schweigen von der Chance, überhaupt eine zu finden. Ach, das Elternsein ist weiss Gott nicht immer leicht. Ich fühle mich wie eine Rabenmutter. Vielleicht sollte ich doch einfach meinen Job für einige Zeit an den Nagel hängen? Aber dann müssten wir uns sehr einschränken, und unsere D-Besuche, die wir zweimal im Jahr anpeilen, würden auch wegfallen. Und DIE bin ich eigentlich nicht bereit aufzugeben. Also lieber Rabenmutter sein?
Mal sehen. Wir werden wohl ein bisschen unsere Köpfchen anstrengen müssen...

Dienstag, 5. Dezember 2006

Kurz vorm Absturz

Eigentlich wollte ich es mir heute abend so richtig gemütlich machen zum Bloggen: mit einer Tasse Tee, in eine Decke gehüllt wollte ich mich ganz entspannt vor den PC setzen und ohne Zeitdruck im Nacken ein paar Zeilen schreiben. Wollte die relativ strumfreie Bude (Shai ist bei einem Arbeitsessen) geniessen und einfach mal wieder irgendwohin abschweifen. Aber wie jeden Abend hat mich die Routine wieder zu sehr im Griff. Eben wäre ich beinahe neben Yair eingeschlafen. Dann habe ich ewig lange gebraucht, um passende Bilder für einen Fotokalender rauszusuchen, auf den meine Familie als Weihnachtsgeschenk besteht. Und jetzt bewegen sich die Zeiger der Uhr schon wieder gefährlich Nahe auf "spät" zu, während unten in der Küche wie immer abends das Chaos regiert. Ganz zu schweigen vom Berg Wäsche, der sich bedrohlich türmt, und der Maschine, die noch fleissig vor sich hin wäscht. Dabei könnte ich auch mal mehr als sechs Stunden schlaf gebrauchen. Hört sich das alles nach gähnendem Alltag an? Und da soll ich mich dann noch politisch usw. informieren und irgendwelche besonders geistreichen Gedanken von mir geben?
Wie immer in solchen Momenten zaubert der Gedanke an Yair dann ein Lächeln auf mein Gesicht. "Ima chamudi [sic!]!" (Mama ist süss!) hat er eben beim einschlafen zärtlich verkündet, seine Ärmchen um meinen Hals geschlungen. Und da soll ich nicht dahin schmelzen? Als ich ihn vom Kindergarten abgeholt habe, deutete er auf dem Weg zum Auto mit einer wilden weitläufigen Geste auf den Spielplatz und fragte: "Ma ze?" (Was ist das?) Ich, ebenso fragend: "Was denn?" Er, bekräftigend: "Ma ze?" Ich, vorsichtig: "Ein Tisch? Mitten im Garten?" "Ken!" (Ja!) rief er freudestrahlend. Und dann, auf Deutsch (!): "Na sowas!"
Inzwischen geht es auf Chanukka zu. Souvganiot habe ich dieses Jahr bisher noch fast gar nicht angerührt, aber beim Gedanken daran bekomme ich gerade einen Bärenhunger. Yairs erste Feier im Kindergarten werden wir leider verpassen, weil wir just an dem Tag gen Deutschland fliegen -- dabei freut sich doch Safta Hana schon so darauf. Die Enttäuschung wird gross sein.
Und weil der Dezember mit riesen Schritten voranschreitet und unser Flug immer näher rückt, muss ich mich langsam auch um diverse Weihnachtsgeschenke kümmern. Diesen Kampf werde ich am Freitag ausfechten, wenn Yair im Kindergarten Kuchen oder Challa backt und Kabbalat Shabbat (Empfang des Shabbat, eigentlich kurz vor Beginn am späten Nachmittag) begeht. Ist es nicht merkwürdig: obwohl wir kein Weihnachten feiern und ich schon einige Jahr hier bin, packt mich in der Vorweihnachtszeit trotzdem immer noch eine kribbelnde Vorfreude, wenn auch jedes Jahr ein klitzekleines bisschen weniger (aber komischerweise in diesem Jahr mehr als im letzten). Die Macht der Sozialisation nenne ich das mal. Und jetzt mache ich mal Schluss, denn ich befürchte, dass der Computer gleich abstürzt, dieses furchtbare Ding. Er stöhnt ganz fürchterlich... Wie oft wollten wir uns schon einen neuen kaufen!!! Immer im nächsten Monat allerdings. Also dann. Jetzt habe ich ja doch ganz ordentlich gebloggt, oder? Und die Waschmaschine ist inzwischen auch fertig, da kann ich endlich alles in den Trockner stopfen. :-)

Montag, 4. Dezember 2006

Anders als man denkt

So kommt es doch oft. Noch einen Tag zu Hause, dachte ich, würde reichen, um meinen kleinen Spatz wieder auf die Beine zu bringen. Pustekuchen. Just an dem Abend bekam er hohes Fieber, das hartnäckig bis fast zum Wochenende anhielt. Mein Büro habe ich letzte Woche also nicht mehr von innen gesehen. Wohl aber habe ich ein wenig von dem Laptop Gebrauch gemacht, den mein Chef mir freundlicherweise (und in weiser Voraussicht) an besagtem Montagabend, als ich noch dachte, die Welt sei am nächsten Tag wieder in Ordnung, organisiert hat.
Fast wäre auch Shai nicht wie geplant in der Nacht zum Donnerstag zurückgekehrt, weil ja im Land ordentlich gestreikt wurde. Wie froh ich war, als ich dann doch gegen 5 Uhr das Taxi vorfahren hörte!
Yair ist in dieser letzten Woche ganz blass und dünn geworden. Rachel, seine Kindergärtnerin, hat sich gestern Morgen richtig erschrocken. Aber die gemeinsamen Tage haben auch etwas positives mit sich gebracht: Wir hatten endlich einmal ganz viel Zeit nur für uns zwei. Das haben wir mal dringend gebraucht (wer von uns beiden mehr, das ist schwer zu sagen). Gestern wieder zum Alltag, soll heissen zum Schreibtisch zurückzukehren ist mir unglaublich schwer gefallen.
Seit ein paar Tagen schleppt Yair übrigens Ephraim, seinen Teddy, ständig zum Vorlesen an. Dann setzt er sich mit ihm zusammen hin, nimmt ein Buch und erzählt ihm eine Geschichte. "Was ist das?" fragt er zum Beispiel, oder "Wo ist die Katze?" (natürlich auf Hebräisch -- die deutschen Worte kommen ja nur vereinzelt) und wartet scheinbar darauf, dass Ephraim ihm antwortet. Wirklich zu süß!