Mittwoch, 5. Dezember 2007

Wieder eine Woche vorbei

und nichts gepostet. Dafür habe ich andere Dinge erledigt. Weihnachtsgeschenke gekauft beispielsweise. Reibeplätzchen gebacken, weil doch Chanukka ist. Gestern abend haben wir mit Freunden die erste Kerze angezündet, gesungen -- und geschlemmt. Ausserdem ergebe ich mich in diesen Tagen ganz und gar dem weihnachtlichen Flair um mich herum. Ich entschädige mich sozusagen für all die vergangenen Jahre, in denen ich nicht mal ein Weihnachtslied gehört habe. Hier aber gibt es einen Radiosender, der seit Mitte November rund um die Uhr Weihnachtslieder bringt. Das nutze ich voll aus, auch wenn Shai das Gesülze bald an den Ohren wieder raus kommt. Ausserdem esse ich mich durch Lebkuchen und Stollen, die ich bei Trader Joe's entdeckt habe. Original importiert aus Deutschland. Von Kuchenmeister. Ganz schön gefährlich. Ach ja, und gestern habe ich ein telefonisches Vorstellungsgespräch versiebt, aber ordentlich. Das ist jedenfalls mein Gefühl. Kein Wunder auch, wenn abends um sieben aus heiterem Himmel und ohne vorherige Absprache der einstellende Manager anruft, ich schon in Jacke, um samt Kind und Kegel Chanukka einzuläuten. Klar komme ich da ins Stottern, drücke mich aus wie eine Anfängerin, erkläre nicht das naheliegendste und habe ausserdem einen Blackout. Was war noch gleich COJAX? Genau, composition of Java and XML. Die Sprache, auf der das API basiert, das ich vor Lichtjahren in meinem letzten Job, einem anderen Leben, dokumentiert habe. Schade, aber nicht zu ändern. Morgen habe ich noch ein Gespräch, wieder per Telefon. Andere Firma, neues Glück. Vielleicht wird da ja was draus.

Donnerstag, 29. November 2007

Bevor es ans Putzen geht

stelle ich noch schnell ein paar Bilder vom letzten Wochenende hierher. Für alle, die den Link zu unseren aktuellen Fotoalben kennen -- dort gibt es noch mehr zu sehen.



Ansonsten nichts weltbewegend Neues unter der kalifornischen Sonne. Seit ich meinen Lebenslauf bei Monster.com eingestellt habe, klingelt zwar jeden Tag das Telefon, aber etwas Konkretes hat sich noch nicht ergeben. Da bekommt man lange Zähne.

Ach, falls sich jemand über Yairs wallende Haarpracht Gedanken macht -- er war vorgestern beim Friseur und sieht jetzt wieder manierlich aus. Allerdings hat er dort vergeblich auf seinen Lolli gewartet, den er von Tomer, der ihm in Israel die Haare schneidet, gewohnt ist. Also habe ich im Schrank nach Schokolade gekramt, sobald wir zu Hause waren. Weil er so toll still gehalten hat.

Seit Sonntag zieht er übrigens schnurstracks nach dem Kindergarten seine Windel aus, schleudert sie in die Ecke und schlüpft in eine Spiderman-Unterhose. Zwei, drei Stunden geht das ganz gut. Er geht hin und wieder zur Toilette, wenn ich ihn daran erinnere. Aber irgendwann wird er nachlässig, achtet nicht mehr drauf -- und dann steht er kleinlaut in nassen Hosen da. Einige haben mir geraten, das jetzt einfach durchzuziehen und die Windeln ganz im Schrank zu lassen, damit das Trockenwerden nicht endlos lange dauert. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass er schon so weit ist. Meinungen? Ratschläge?

Sonntag, 25. November 2007

Spiderman sei Dank

Nach knapp 1300 km, Truthahn, Kürbiskuchen, Hollywood, Beverly Hills, Santa Monica und einer Umleitung um Malibu (an den wütenden Bränden vorbei) melden wir uns zurück (Bilder folgen). Yair hat Micky Mouse und Minnie Mouse die Hand geschüttelt, Spiderman getroffen (der zu seinem Leidwesen Englisch sprach -- nicht wie der richtige Spiderman, der doch, natürlich!, Hebräisch spricht), bei Freunden der Verwandten Klamotten und Spielzeug abgestaubt, begeistert beim Laubfegen geholfen, tapfer viele Stunden im Auto überstanden und sich wieder ein paar Steine im Brett erobert.

Und weil Spiderman ja nach wie vor so hoch im Kurs steht, hat der kleine Mann heute ein 3er-Pack Spiderman-Schlüpfer bekommen. Das war ihm aber ein Ansporn! Zum ersten Mal zwei Stunden ohne Windel, drei Mal zwischendurch zur Toilette -- ein voller Erfolg. Allerdings wollte er auch mit Schlüpfer ins Bett schlüpfen. Da wurde gebrüllt, geschrien, gezetert, gebockt, bis er schlieslich klein beigab und bewindelt unter die Decke kroch. Morgen nach dem Kindergarten also auf ein Neues. Hoch lebe Spiderman!

Donnerstag, 22. November 2007

Happy Thanksgiving

Gleich fahren wir runter nach Los Angeles, um entfernte Verwandte zu Thanksgiving zu besuche. Ich melde mich Sonntag oder Montag zurueck.

Die Woche war etwas hektisch -- Yair krank, noch ein Vorstellungsgespraech per Telefon gestern.

Schwagerherz, Bruederchen -- Herzlichen Glueckwunsch und alles Liebe zum Geburtstag!!!

Sonntag, 18. November 2007

Schnuddel

steht derzeit hoch im Kurs. Jeden Abend lesen wir aus dem grossen Janosch Schnuddel-Lesebuch "Wenn Schnuddel in die Schule geht". Ich gestehe: Ich amüsiere mich köstlich dabei. Janosch hat einfach eine unvergleichliche Art zu erzählen. Ich liebe es, wie er mit der Sprache spielt. Eines Tages macht Schnuddel übrigens eine "Kleine Reise nach Paderborn". Na sowas, da hätten wir ihn fast mal treffen können, damals, zu Studienzeiten. "Gute Nacht, Schnuddel, du altes Haus. Bis morgen." Nebenan wälzt sich noch immer der kleinste Schnuddel-Fan der Familie und findet keine Ruhe...

Donnerstag, 15. November 2007

Echtes und Imaginäres

Heimarbeit ein- bis zweimal die Woche ist nicht erwünscht, also habe ich wohl den ersten Job sausen lassen, falls sie nicht noch einlenken. Alles geht eben nicht, man muss in vernünftigen Proportionen denken. Täglich drei bis vier Stunden auf der Strasse, da gehe ich irgendwann vor die Hunde. Ich habe aber noch zwei andere heisse Eisen im Feuer. Hoffentlich klappt da was. Diesmal mache ich meinen Mund lieber nicht zu weit auf.

Ansonsten läuft alles prima. Yair vergnügt sich mit seinen imaginären Freunden Meschek, Kakas und Yaram. Er kann stundenlang Selbstgespräche führen, in seinem Zimmer oder in der Badewanne. "Warum weinst du? Was? Hör schon auf zu weinen! Mama kommt gleich." In diesem Ton. Zum Schreien.

Heute Abend hat allerdings er geschrieen. Da ging aus unerfindlichen Gründen in regelmässigen Intervallen der Rauchmelder los. Beim ersten Mal kam der kleine Mann brüllend angerannt. Danach klammerte er sich an mich und hielt sich erschrocken die Ohren zu. An Schlaf nicht zu denken. Ein Anruf bei der Verwaltung, und innerhalb einer Stunde rückte ein bebrillter Mann mit Leiter an, begutachtete die Rauchmelder, schaltete eine Sicherung aus ("Manchmal kann das helfen. Ooops, jetzt habe ich ihren Computer auch ausgemacht..."), schraubte die Dinger dann ab und warf sie in den nächsten Müll. Morgen werden neue angebracht. "Wenn es ihnen nichts ausmacht, eine Nacht ohne Rauchmelder auszukommen. Sie haben ja noch den echten Feueralarm, machen sie sich also keine Sorgen." Im Gegenteil -- jetzt können wir wenigstens in Ruhe schlafen. Gute Nacht!

Freitag, 9. November 2007

Wenn du es am wenigsten erwartest...

klingelt das Telefon. Du antwortest unwirsch, denn du kannst einfach nicht noch einen dieser Werbeanrufe ertragen, die Mittags um diese Zeit eintrudeln. Spende für Feuerwehrleute. Hilf im Kampf um Drogen. Halte unsere Kinder von der Strasse fern. Und genau dann ist die Vorgesetzte der Firma dran, bei der du dich vorgestellt hast, so freundlich, scheinbar lächelnd, denn stell dir vor! Sie mag dich wirklich und möchte, dass du ihrem Team beitrittst, da sind vorher nur noch ein paar kleine Dinge zu klären. Wie die Entfernung. Kann ich mir vorstellen, jeden Tag 75 km zu fahren? Heimarbeit etwa zwei Mal die Woche? So so. Nicht gerade üblich in der Firma. Die Leute kommen jeden Tag ins Büro. Schwer, jemanden aus der Distanz zu managen. Aber weisst du was? "Lass mich eine Weile darüber nachdenken." Als wir auflegen, stelle ich fest, dass ich nicht erwähnt habe, dass ich auch Stunden reduzieren möchte. Über wie viele Stunden sprechen wir eigentlich? 40? Wie sieht es mit 30 aus? 32? OK, nicht mehr als 34. Als ich sie zurück rufe, grüsst mich nur der Anrufbeantworter. Niemand zu Hause. Ist sie ins Wochenende entfleucht? Ich hinterlasse ihr eine Nachricht, bitte um einen Rückruf. Und jetzt warte ich... Sollte ich diese Gelegenheit verstreichen lassen? Oder sie mit beiden Händen beim Schopfe packen und sehen, was draus wird?

Was habe ich gestern geschrieben? Ich wollte nur angenommen werden? Hm. Ich bin angenommen worden!!! Und vielen Dank für die aufmunterden Kommentare in der Zwischenzeit! Ich schätze das sehr!

Donnerstag, 8. November 2007

Blechschaden

Und noch ein Ärgernis. Ist mir doch vor drei Wochen so ein blindes Huhn ins Auto gedonnert. Mittags, als ich mit Sohnemann im Auto vom Kindergarten kam und gerade so schön ausholte, um in unsere Parklücke zu fahren. Brettert sie rückwärts aus ihrer Lücke raus, ohne in den Spiegel zu sehen (oder über die Schulter -- ich habe schliesslich gestern meine Fahrprüfung bestanden!), und kracht mir in die Beifahrerseite. Statt sich kleinlaut zu entschuldigen, schmiert sie jedoch nur übellaunig ihre Kontaktdaten auf einen Zettel -- erst am Abend zuvor hat man ihr das Protemonnaie geklaut (nein, ich weigere mich, Portmonee zu schreiben!) --, reicht ihn mir, verlangt im Gegenzug meine Daten und wünscht mir dann widerwillig einen guten Tag.

Seither schlage ich mich mit der Versicherung rum. Am Freitag war endlich ein Gutachter da, um den Schaden unter die Lupe zu nehmen. Vorher hatte ich schon eine Unfallskizze hingefaxt. Alle paar Tage rufe ich an um zu hören, wie die Sache voranschreitet. Und was erfahre ich gestern? Es ist noch nicht entschieden, wer den Unfall verschuldet hat -- die Dame von nebenan besitzt nämlich die Unverschämtheit zu behaupten, ich sei rückwärts gefahren! Ein blindes Huhn eben. Oder strohdoof, da bin ich mir noch nicht sicher. Oder einfach dreist. Schliesslich ist sie mir in die Seite gefahren. Dass wird man ja hoffentlich anhand des Schadens rekonstruieren können. Welche Kräfte da auf welches Auto gewirkt haben. Bis morgen soll eine Antwort vorliegen. Man darf gespannt sein!

Bergab

Habe ich erwähnt, dass die Vorstellungsgespräche am Montag super gelaufen sind? Jedenfalls wenn man bedenkt, dass es meine ersten auf amerikanischem Boden waren. Aber damit hat sich's auch. Seither kein Anruf. Kein e-mail. Und glaubt mir, ich habe wirklich schöne Dankesbriefe geschrieben. Vielleicht nicht streng nach Etikette, aber individuell.

Ich könnte mir einreden, dass mich das nicht weiter juckt. Denn immerhin bin ich eigentlich davon überzeugt, dass alles seinen Grund hat, und meistes einen guten. Wenn sie sich entschlossen haben, mich nicht einzustellen, dann muss ich meinen Alltag wenigstens nicht mit zweistündigen Fahrten in jede Richtung belasten. Das macht das Leben so viel einfacher.

Aber die Wahrheit ist: Es juckt mich. Nicht weil ich mich unbedingt auf den Weg machen wollte, sondern weil ich angenommen werden wollte. Denn jetzt muss ich nochmal von vorne beginnen. Anzeigen lesen, Anschreiben aufsetzen, den einstellenden Vorgesetzten ausfindig machen, verfolgen, ob Firma X meine Bewerbung bekommen hat und wann mit einer Antwort zu rechnen ist. Wieder und Wieder. Wer hat dafür Energie?

Für den Moment halte ich mich also an Bücher (habe gerade The Kite Runner ausgelesen und bin endlich! mit dem letzten Harry Potter angefangen) und den Haushalt. Und an den süssesten kleinen Jungen der Welt. Keine Ambitionen. Ich brauche ein paar Tage, um mich aufzuraffen und mich aus dem Loch zu ziehen. Aber dann werde ich diese Jobsache angehen. Vielleicht muss ich wirklich einfach nur die Zeile einer Freundin an potentielle Arbeitgeber weiterleiten, für den Zweifelsfall: "Es ist Jeanne, stellt sie einfach zu ihren Bedingungen ein :-)."

Sonntag, 4. November 2007

Jobaussichten

Seit Halloween ist es ruhig geworden um uns. Das hat aber erfreuliche Gründe: Ich bereite mich auf eine Runde Vorstellungsgespräche am Montag vor, bei einer Firma in Sunnyvale. Das ist zwar weit, aber warten wir mal ab, was daraus wird. Ich bin jedenfalls ganz aufgeregt, also drückt mir die Daumen!

Ach, und was die Halloween-Bilder anbelangt – die habe ich mir selber noch nicht angeschaut. Aber nach Montag werde ich das nachholen und sie hochladen. Oh ohhh, spaghettios... Yairs neuester Ausdruck, den er seiner Kindergärtnerin abgelauscht hat. Er plappert übrigens viel neues Zeug auf Englisch daher. "Trashy town" (eine Geschichte, die sie jeden Tag lesen), "put the toys away" (Teil eines Liedes, das sie singen, wenn es ans Aufräumen geht), "one, two, three, four, five," und "Mr. Donkey" (das muss auch aus einer Geschichte sein, aber ich bin nicht sicher).

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Happy Halloween

Heute ist die Nacht der Nächte. Als Captain Hook ist Yair mit seinem Kürbis von Haus zu Haus gezogen. Trick-or-Treating. Am Ende war der Kürbis prall und schwer, Yairs Finger klebrig von all den Lutschern, die er ausprobieren musste, und der Kopf so müde, dass er auf dem Weg nach Hause auf Papas Schulter eingeschlafen ist. Nett wars. Gruselig nicht. Bilder folgen.

Da bebte die Erde

und wir haben gar nichts mitbekommen...

Kurz nach 20 Uhr klingelt mein Handy. Mein Student ist dran. "Habt ihr das Erdbeben gespürt? Ist alles OK?" Erdbeben? Was? Keine Ahnung. Ich habe den kleinen Mann bettgehfertig gemacht. "Du hast nichts gemerkt? Hier hat das ganze Gebäude gebebt!" ruft mein Student fassungslos.

Kurz darauf erscheint eine Chat-Nachricht auf meinem Bildschirm. Anke von Um-die-Ecke. "Hi Jeanne! War das gerade dein erstes Erdbeben in der Bay Area?"

Vielleicht bin ich wirklich die einzige, die nichts mitbekommen hat? Ich stelle das Fernsehen an. KRON TV, 4. Programm. Sondersendung. Stärke 5.6 auf der Richterskala. OK, das überzeugt mich. Wir haben wohl wirklich was verpasst. Aber traurig bin ich darüber nicht.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Networking

Jetzt stecke ich mitten drin in der Jobsuche. Visitenkarten entwerfen und drucken, Portfolio anlegen, Lebenslauf polieren, Anschreiben formulieren. Aber das eigentliche Zauberwort hier heisst Networking. Nur 20% aller offenen Stellen werden auch ausgeschrieben, deshalb sollte man mit möglichst vielen Leuten in Kontakt kommen.

Heute zum Beispiel waren wir zum Kindergeburtstag eingeladen. Eine der Mütter, die ich schon aus dem Kindergarten kenne, mit der ich aber noch nie wirklich gesprochen habe, hat schon vor Jahren ihren MBA in Harvard gemacht (sie ist gut über 40 und hat zwei Adoptivkinder) und arbeitet seit langem in San Francisco bei einer Consulting-Firma, die auch Aufträge an Technische Redakteure vergibt. So einfach. Jetzt muss ich nur über ihre Webseite mein Profil erstellen und mich dann bei ihr melden. Sie ist Senior Vice President und General Manager. Vielleicht wird ja was draus...

Dienstag, 23. Oktober 2007

Yosemite-Impressionen

Am Wochenende haben wir den Yosemite National Park erkundet und jede Minute genossen. Nach Bären und Berglöwen haben wir leider vergeblich Ausschau gehalten, aber wie immer sind uns jede Menge Eichhörnchen über den Weg gelaufen, und ein paar Rehe haben wir auch gesichtet. Wir waren sicher nicht das letzte Mal da...


Pyjama-Party

Vor zwei Wochen war ein Elternabend im Kindergarten anberaumt. Weil Shai einen langen Tag in der Uni hatte, beschlossen wir zu testen, ob Yair reif für seine erste Pyjama-Party bei Yuval ist. Und während Yuvals Mutter und ich uns im Kindergarten unter die anderen Eltern mischten (die vermutlich bequemere Babysitter-Lösungen hatten), übernahm Yuvals Vater die Obhut. Ob er seine Sache gut gemacht hat? Seht selbst.


Donnerstag, 18. Oktober 2007

Eingekehrter Alltag

Ich kann einfach nicht glauben, wie die Zeit davon rennt, ohne dass bei mir irgendwelche Langeweile aufkommt. Ich bin so beschäftigt, dass ich manchmal nicht mal innehalte, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Und die paar Stunden morgens ohne Yair sind überhaupt immer in Windeseile vorbei.

Jobsuche? Ich komme gar nicht dazu. Shai ist durch die Uni so eingespannt, dass wirklich alles, alles andere an mir hängen bleibt. Wie ich das mit einem Job vereinbaren kann, ist mir noch gar nicht klar. Aber der Wille ist da. Jedes Mal, wenn ich einen Blick auf's Konto werfe. Dabei bin ich schon ein Meister im preiswerten Einkaufen. Obst und Gemüse kaufe ich im Monterey Market, kosheres Fleisch und Tee bei Trader Joe's, alles übrige bei Safeway. Und einmal im Monat geht's in den Grosshandel, um den Vorrat aufzustocken: Bagel (mit Rosinen und Zimt -- ohne die geht nichts), Brot, Milch, Joghurt, Saft, Cornflakes, Müsli, Windeln (ja, noch immer!) und was sonst gerade so zu Ende geht.

Jobsuche also. Nächste Woche werde ich mit einer Freundin, die schon länger hier lebt und Karriereberaterin ist, meinen Lebenslauf aufpolieren. Dann bin ich bereit für die systematische Suche.

Übrigens habe ich am Dienstag die theoretische Fahrprüfung bestanden, mit Bravur. Am 6. November steht die praktische Prüfung an. Danach gesellt sich dann hoffentlich zu meinem deutschen und meinem israelischen Führerschein auch noch ein amerikanischer. Langsam reicht es mir aber.

Yair kommt inzwischen recht gut mit seinen Sprachen zurecht. Sein Deutsch färbt auf sein Hebräisch ab und verleitet ihn zu merkwürdigen Satzkonstruktionen. Ausserdem setzt er eigenständig neue Wörter zusammen. Heute wollte er beispielsweise Tapuzim-Saft (Orangensaft). Oder lieber Apfelmietz (Apfelsaft)? Ausserdem streut er zwischendurch englische Sätze ein: "What's your name?" oder "Wash your hands!" oder "Want to eat?" Nicht immer weiss er aus dem Stehgreif, was das denn nun bedeutet. Aber wenn ich ihn frage, in welchem Zusammenhang er diese Sätze aus dem Kindergarten kennt, antwortet er sofort. Faszinierend, wie das kleinkindliche Gehirn arbeitet.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Sie ist da

die Arbeitserlaubnis! Ich kann es noch gar nicht fassen. Drei bis fünf Monate sollte es nach offiziellen Angaben dauern. Dass es oftmals schneller geht, habe ich gehört. Aber vier Wochen scheinen mir eine Rekordzeit zu sein! Ganz unschuldig lag sie heute in einem unauffälligen weissen Umschlag im Postfach.

Vielleicht liegt es daran, dass ich dem Antrag die Sozialversicherungsnummer zufügen konnte, die ich 1997 durch mein Semester an der ISU bekommen habe. Trotzdem bin ich noch immer ganz von den Socken. Jetzt habe ich also keine Entschuldigung mehr, tatenlos rumzusitzen... Aber ich habe ja auch schon acht Bewerbungen rausgeschickt, und über den Vater eines Kindes, das in Yairs Kindergarten geht, habe ich Kontakt zu einem hiesigen, etablierten Technischen Redakteur aufgenommen, der bereit ist, mir bei der Vermittlung zu helfen. Sieht also doch nicht so schlecht aus fürs erste.

Eilig habe ich es trotzdem nicht. Bis Januar möchte ich mir noch gönnen. Und eine Portion Glück benötige ich schliesslich auch. Ein Job fällt einem ja nicht einfach so in den Schoss, schon gar nicht, wenn er teilzeit sein soll.

Übrigens kann ich fast von Glück sagen, dass ich meine Stelle in Israel aufgegeben habe. Vorgestern sind 25% der Mitarbeiter entlassen worden. Ich bin noch ganz geschockt.

Samstag, 6. Oktober 2007

Solche Tage

sollte es öfter geben...

Heute hat mein Student sich eine Auszeit genommen: Wir haben einen Ausflug ins Napa Valley gemacht. Traumhaft. Das Wetter, der Wein, die Landschaft. Einfach perfekt.


Anschliessend sind wir weitergefahren, um im Codornices Park Libys ersten Geburtstag zu feiern.

Die schönste Überraschung erwartete mich allerdings am Abend. Und das war so:
Bisher musste ich dem kleinen Mann immer Gesellschaft leisten, bis er eingeschlafen war. Bis letzte Woche habe ich mich brav neben ihn "schlafen" gelegt (und alle Versuche, dem zu entkommen, sind bis dahin kläglich gescheitert), seine kleinen Ärmchen um meinen Hals gefühlt und gewartet, bis das Wälzen und Wenden irgendwann zur Ruhe kam und regelmässige Atemzüge seinen Schlaf bezeugten. Als er letzte Woche in sein Bett übersiedelte, bin ich dazu übergegangen, mich neben sein Bett zu setzen. Das machte das Aufstehen leichter, aber verkürzte nicht die Wartezeit. Und hielt mich leider auch nicht davon ab, im dämmrigen Zimmer selbst ganz schläfrig zu werden.
Vor ein paar Tagen dann bin ich nach ein paar Minuten einfach aufgestanden und, nach ausführlichen Erklärungen, gegangen. Anfangs gab es Geheule. Der kleine Mann stand auf, machte das Licht an, Party! Oder er lief mir einfach hinterher. Dann habe ich die Regeln festgesteckt. Aufstehen gilt nicht, aber er darf sich gerne noch im Bett ein Buch anschauen. Oder so. Also entschied er sich dafür, ausführlich mit Puuh-Bär zu telefonieren. Heute, am dritten Abend, fragte er mich, sobald ich das Licht ausmachte: "Gehst du mir jetzt wieder weg?" (At holechet li achshav?") Aber er liess mich gehen, ohne Gezeter. Rief mich noch ein paar Mal für Küsschen und Umarmung, legte sich dann hin, winkte mir gute Nacht -- und schlief ein. Und plötzlich sind die Abende viel länger! Womit habe ich bloss so viel Freizeit verdient? Stolz bin ich auf den kleinen Mann, dass er so anstandslos loslässt. Ganz gross!

Zur Belohnung gibt's noch mein Lieblingsbild der letzten Woche, aufgenommen im Märchenland in Oakland.

Montag, 1. Oktober 2007

Buchwurm

In den letzten Wochen habe ich gelesen, was das Zeug hält. Gerade eben habe ich Khaled Hosseinis "A Thousand Splendid Suns" (Tausend strahlende Sonnen) (2007) aus der Hand gelegt, das wir im Buchclub Mitte Oktober besprechen. Als der kleine Mann letzte Woche noch ganz verschlafen ein bisschen verfrüht von seinem Mittagsschlaf in die Küche geschlurft kam, fand er mich in Tränen aufgelöst am Tisch sitzend, mit einem zerknüllten Taschentuch in der Hand. Ein Muss, dieses Buch. Wie ich bisher nichts von Hosseinis erstem Buch, "The Kite Runner" (Der Drachenläufer) (2003), mitbekommen konnte, ist mir ein Rätsel.

Dafür hat mich die letzte Lektüre zum Lachen gebracht, an vielen Stellen jedenfalls: Irene Disches "Grossmama packt aus". Daraufhin werde ich jetzt wohl endlich mal ihre früheren Werke angehen, die schon so lange unangerührt im Regal stehen, weil ich sie mir während des Studiums zwar gekauft, aber wenn überhaupt nur schnell überflogen habe.

Oh, und Elizabeth Georges aktuellstes Buch, "What Came Before He Shot Her", ist gleichfalls brilliant. Eine psychologische Meisterleistung.

Wie ich es geniesse, endlich wieder zu den Leseratten zu gehören!